Moin, moin
eine Weihnachtszeit ohne Weihnachtsmarkt? Ohne Glühwein und Klönschnack? Ohne Bratwurst und Knipp? Damit müssen wir in diesem Jahr leben. Dennoch war in den vergangenen Wochen in Martfeld einiges los. Das Alte Pastorenhaus von 1535 wurde verrollt, und der Förderverein Kirsteins Hoff sowie das Theater erhielten ihre Baugenehmigungen. Hanna Bormann hat wieder adventliche Geschichten geschrieben, und Algeth E. Weerts erzählt von ihrer neuen Heimat Portugal. Heidi Kasper bringt geflüchteten Kolumbianern die deutsche Sprache näher, und Björn Huhnholt berichtet, was ihn an der Falknerei so fasziniert.
Ich wünsche Euch allen viel Spaß beim Lesen, besinnliche Stunden, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein gesundes Jahr 2021! Regine Suling-Williges

Redaktionsschluss
für die nächste "Martfeld Live" ist am 16.03.2021

 

Impressum
Internet: martfeld.de

 

Auflage:
1000 Stück

Verteilung:
kostenlos

Herausgeber und V.i.S.d.P.
G.d.S. Martfeld

Druck:
Brune-Mettcker Druck- und Verlagsgesellschaft mbH.
Parkstraße 8
26382 Wilhelmshaven

 

Redaktion & Layout
Regine Suling
Zur Maase 9a
27327 Martfeld
Mobil: 0175 - 2410675
E-Mail: regine.suling@mediacommunicate.de

Internet:
www.martfeld.de



Facebook:
www.facebook.com/Martfeld-Live



 

  Titel Heft 74 Dezember 2021 Autor  
  Eine echte Herausforderung    
  Landschlachterei Wolters    
  Oh, so eene Bescherung   Hanna Bormann  
  4 Kerzen und ein Gedicht   Hanna Bormann  
  Zurück in den Wald    
  Altes Pastorenhaus verrollt    
  Historisches Stück Martfeld   Susanne Till  
  Bouleclub blickt zurück   Hans Hermann Bauer  
  Bericht aus Porto   Algeth E. Weerts  
  Wenn Arbeitgeber den Lohn nicht bezahlen   Tobias Büscher  
  Johanna Badenhop   Henns Harries  
  Auf Kirsteins Hoff    
  Tennis im Corona Jahr   Torsten Tobeck  
  Sonstiges    
 

Die Reporter AG berichtet
Neues aus der Grundschule Martfeld

74.15

(von links), Tyler, Lia-Milena und Johanne aus der Reporter AG.
Die Schule in Coronazeiten Regeln: Maske/Schnutenpulli tragen! 1,5-2,0 Meter Abstand halten! Hände waschen! Essen und Gegenstände nicht teilen! In die Armbeuge niesen und husten! Wenn du krank bist, bleibst du zu Hause! Ich fasse Türklinken nur mit dem Ellenbogen an! Ich fasse mir nicht mit den Händen ins Gesicht!
Tyler und Lia-Milena

Die Schule in Coronazeit

74.15

Es hat sich sehr vieles geändert z.B. die Maskenpflicht, teilweise Abstand halten und vieles mehr. Wir mussten alle an Einzeltischen sitzen und die Klasse war geteilt, das war bestimmt anstrengend für die Lehrer/in weil sie ja alles zweimal erklären mussten. Und es war für uns alle eine ganz schöne Veränderung, wir konnten gar nicht richtig miteinander spielen wegen Abstand halten und rennen konnte man fast gar nicht wegen der Maske. Darunter war es super heiß.
Der Schulhof war geteilt und nur eine Klasse durfte auf eine Seite, also mussten zwei Klassen auf den Sportplatz. Und wir mussten super oft Hände waschen. So war das vor den Sommerferien, jetzt hat sich die Lage ja verbessert. Als Klasse müssen wir eigentlich gar nicht mehr Abstand halten. und Maske müssen wir im Klassenraum auch nicht mehr tragen. Jetzt haben wir auch wieder Sport und Schwimmen. Auf eine Seite des Schulhofes dürfen auch schon wieder zwei Klassen.
Das war der Artikel zu Corona an den Schulen, von JOHANNE.

Gesundheitstage

74.15

Vor Corona waren die Gesundheitstage noch ganz anders. Zum Beispiel haben wir mit den Eltern was Gesundes gebacken.Es war sehr lecker. Jetzt wo Corona ist, haben wir nicht gebacken, aber wir haben die Ernährungspyramide gemacht. Unten kommen die GESUNDEN Sachen hin und oben die UNGESUNDEN.
Wasser ist z.B. gesund und Schokolade ist ungesund. Wir haben auch eine Fettfleckprobe gemacht und eine Zuckerwürfelprobe.
Linja, Jana
Bei den Gesundheitstagen in der Klasse 3c haben wir eine Essenspyramide an der Tafel aufgebaut. Grün ist sehr gesund, Wasser ist auch grün danach kam Obst und Gemüse und dann Getreide. Gelb waren Fisch Milch und Eier. Fette und Öle sind rot. Die Extras sind die süßen Sachen, die soll man nicht so oft essen.
Janne, Stina

Neue Gesichter bei der Volksbank
Dieter Hustedt wird Geschäftsstellenleiter in Martfeld

74.15

v.l. Björn Holthus, Sandra Heise und Dieter Hustedt
Zum 1. Januar 2021 übernimmt Dieter Hustedt die Geschäftsstel- lenleitung in Martfeld. Dieter Hustedt ist bereits langjähriger Geschäftsstellenleiter der Filiale Schwarme und wird zusätzlich die Leitung der Filiale in Martfeld übernehmen.
Er kennt sich im Marktbereich sehr gut aus und agiert zukünftig an wechselnden Tagen aus Schwarme oder Martfeld. Der bisherige Geschäftsstel- lenleiter Björn Holthus verlässt die Volksbank eG zum 31. Dezember 2020, um im Jahr 2021 für einige Zeit auf Reisen zu gehen. Zusätzlich wird Sandra Heise aus Hoya für die Kundenberatung in Martfeld zuständig sein. Sandra Heise wird bereits seit einigen Wochen in Martfeld eingearbeitet. Zusammen mit dem bestehenden Serviceteam Ingrid Wagner und Marion Müller freut sie sich, die Betreuung und Beratung der Kundschaft zu übernehmen.

Politische Mitentscheider gesucht
Gemeinderat Martfeld ermuntert zum Mitmachen

74.30

Im nächsten Jahr, genauer gesagt am Sonntag, 12. September, ist es wieder soweit: Es sind Kommunalwahlen. Alle Bürgerinnen und Bürgern ab 16 Jahre haben die Chance, ihre örtlichen Vertreterinnen und Vertreter für den Gemeinderat, den Samtgemeinderat und den Kreistag zu wählen.
Außerdem steht die Wahl des Samtgemeindebürgermeisters an, zu der ja bekanntlich der aktuelle Amtsinhaber Bernd Bormann wieder antreten wird. Sicherlich gibt es die ein oder andere Person in Martfeld, die Interesse an der Mitgestaltung der Zukunft von Martfeld hat. The¬men zur Mitwirkung gibt es zahlreich. In Hustedt und Kleinenborstel laufen Flurbereinigungsverfahren an, ein Bebauungsplan Windenergie muss aufgestellt werden, die Planung und Gestaltung der Ortsmitte mit bzw. rund um den Edeka-Markt steht an, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schwarme im Programm „Lebendige Zentren" und, und, und ....
Im Kern geht es darum, ein lebens- und liebenswertes Martfeld zu erhalten! Natürlich spielt der Faktor Zeit bei einem Mitwirken im Gemeinderat auch eine grundlegende Rolle. Der Gemeinderat tagt ca. sieben bis acht Mal im Jahr. Hinzu kommen die zur Sitzungsvorbereitung notwendigen Treffen der Fraktionen bzw. Gruppen.
Wer sich darüber hinaus auch im Samtgemeinderat engagieren möchte, der wird zusätzlich mit etwa fünf Samtgemeinderatssitzungen, monatlichen Fraktionssitzungen und eventuell mit der Teilnahme an der ein oder anderen Ausschusssitzung rechnen müssen. Alle derzeitigen Ratsmitglieder freuen sich auf Menschen, die Interesse an einem Mitwirken haben.
Sprechen Sie die im Rat vertretenen Fraktionen/ Gruppen an. Die Kontaktdaten finden Sie unter www.Martfeld.de
Für den Gemeinderat Martfeld:
Torsten Tobeck, Burckhard Radtke, Klaus-Dieter Kasper, Marlies Plate,

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Tennis im Corona-Jahr
Großer Zuspruch für die Tennis-Sparte

74.29

Während viele Sportlerinnen und Sportler aufgrund der Auswirkungen und Einschränkungen bzgl. der Corona-Pandemie pausieren mussten, hatten die Aktiven der Sparte Tennis Glück. Zwar lief die Platzaufbereitung völlig anders als sonst. Während üblicherweise knapp 20 Aktive an einem Samstag die Plätze herrichten, waren in diesem Frühjahr immer nur maximal vier Leute auf der Anlage anzutreffen. So zog sich die Platzaufbereitung etwas hin, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Alle Plätze wurden hervorragend präpariert und auf eine lange Saison vorbereitet. Während zu Beginn der Freiluftsaison dann nur Einzel oder eben ggf. Doppel mit Spielern aus maximal zwei Haushalten auf dem Platz gespielt werden durfte, erweiterten sich die Möglichkeiten dann im Laufe des Sommers. Das Spielgeschehen auf den Plätzen war kaum von dem zu normalen Zeiten zu unterscheiden. Zur Teilnahme an den Punktspiele wurden vor der Saison zwei Herren-Ü40- Mannschaften gemeldet.
Aufgrund der massiven Einschränkungen, zog sich die Erste Herren dann vom Spielbetrieb zurück. Die Zweite Herren blieb standhaft und spielte mit den Teams aus Daverden und Syke in einer Gruppe. In Hin- und Rückspielen ging es gegeneinander; am Ende belegte unsere Mannschaft mit drei Niederlagen und einem Unentschieden den dritten Platz. Sehr erfreulich war, dass im Laufe der Saison etliche Neuzugänge in der Sparte Tennis zu verzeichnen waren. Insbesondere fanden viele Kinder den Weg zur Tennisanlage. Jugendwart Wilken Harf und Trainer Christoph Semrau bieten ein hervorragendes Angebot. Diese Resonanz macht Hoffnung für die Zukunft der Sparte Tennis. Neben den vielen Hobby- und Trainingsspielen wurden im Laufe der Saison auch zwei Turniere durchgeführt.
Bei den Hütten-Open Ende Juli setzen sich das Duo Detlef Holste / Torsten Kirstein als Sieger durch. Zweitplatzierte wurden Dieter Hustedt / Jens Wicke, vor Rolf Bröer / Torsten Tobeck als Dritte. Traditionell am 3. Oktober fanden dann wieder die Ü30-Doppelmeisterschaften statt. Die Teams wurden ausgelost und aufgrund einer verletzungsbedingten Absage waren mit Birgit Becker und Heide Brandt sogar zwei Frauen im Teilnehmerfeld vertreten. Am Ende siegten Birgit Becker und Cord Fehsenfeld gegen Dieter Hustedt und Torsten Tobeck; Dritte wurden Torsten Kirstein / Wolfgang Tobeck. Bei der Siegerehrung konnten die siegreichen Teams dann Pokale entgegennehmen. Witterungsbedingt sind die Außenplätze bereits wieder in der Winterpause angekommen. Leider ist die Tennishalle in Bruchhausen-Vilsen geschlossen, so dass derzeit der Spielbetrieb ruht. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unseren neuen Platzwart Michael Gläser! Er ist mit Leib und Seele dabei und sorgt für super bespielbare Plätze.
Für die nächste Saison sieht sich die Sparte Tennis gut aufgestellt. Aktuell gibt es Planungen, mit einer ü30 eine weitere Herrenmannschaft für den Spielbetrieb zu melden. Außerdem gehen die beiden Ü40-Mannschaften wieder an den Start. Dank dem starken Neuzugang Andree Meyer wird die Erste Herren vermutlich auf Bezirksebene zum Einsatz kommen.

Martfelder Tischtennis-Urgesteine
Udo Bode und Jan Wurthmann spielen unermüdlich

74.23

v.l. Udo Bode und Jan Wurthmann
Es ist ein wiederkeh¬rendes Bild, jeden Freitag um 19.30 Uhr treffen sich die beiden Gesichter des Sports mit dem kleinen Ball des TSV Martfeld, Udo Bode, der langjährige Vereins-Admininstrator, und Jan Wurthmann, Architekt der Sparte Tischtennis, in der Turnhalle. Die beiden Oldies halten auch in Zeiten von Corona die Fahne hoch und lassen sich den Spaß an der Platte nicht nehmen. „Wir müssen uns ja fit halten", so die Aussage von Udo und Jan ergänzte, „der Sport gehört zu uns, auch in solchen Zeiten und solange wir spielen können, machen wir das auch." Spartenleiter Jan-Christoph Menke nutzte die Gelegenheit, um diesen schönen Moment festzuhalten.
Jan lächelte: „Wir sind doch fotogen." Im Allgemeinen wird das Martfelder Hygienekonzept der Tischtennis Sparte von allen Gast-Vereinen wohl", gelobt. mit den Worten „wir fühlen uns hier wohl" gelobt.
Jan-Christoph Menke

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Auf Kirsteins Hoff geht es weiter
Baugenehmigung ist da / Erste Baumaßnahmen beginnen

74.26

Heiner Rahlmann (von links), Silke Bollhorst, Carotin Wolters und Torsten Kirstein
Auf dieses Papier haben die Aktiven mit Ungeduld gewartet, jetzt ist es da: Der Förderverein „Kirstein's Hoff" und die gemeinnützige Unternehmer- gesellschaft „De Plattsnackers" erhielten beide ihre Baugenehmigungen, um in Martfeld ein Dorfgemeinschaftshaus und ein Theater zu errichten.
Nun können beide Projekte in die Umsetzung gehen. „Als erstes machen wir Ausschreibungen für den Abbruch", sagt Heiner Rahlmann, Vorsitzender des Fördervereins „Kirstein's Hoff". Die Pflasterung zwischen Scheune und Haupthaus werde aufgenommen, um Platz für den Zwischenbau zu schaffen. Ein paar Büsche und Bäume müssten weichen. Außerdem wolle Architekt Alasdair Paterson Bohrungen in Fußboden und Wand vornehmen, um bauphysikalisch zu prüfen, ob der Boden komplett aufgenommen werden müsse oder nicht. „Wenn der Boden bleiben kann, geht es mit den Wänden los", sagt Heiner Rahlmann. Diese müssten gedämmt werden, zudem werde das Gebäude mit neuer Elektrik ausgestattet. Alle Arbeiten müssen ausgeschrieben werden. „Unser Wunsch ist es, dass vor allem ortsansässige Handwerker uns bei der Umsetzung aller Arbeiten helfen. Das kann für sie auch ein Referenzbau werden", sagt Torsten Kirstein, der Eigentümer der beiden Gebäude. Ein großer Teil des Inventars steht schon bereit: Besonders der Förderverein profitiert von der Auflösung des Gasthauses Scholvin-Ortmann in Riede. In Absprache mit dem Küchenbauer übernahm der Verein bereits große Teile der dortigen Küche, die um neue Elemente wie Herd und Dunstabzugshaube ergänzt wird. Auch Tische und Stühle stehen schon bereit und sind bei Vereinsmitgliedern eingelagert. Die Theke wird ebenfalls in das Dorfgemeinschaftshaus und in das Theater integriert. Eine Kopie des Gasthauses Scholvin-Ortmann soll es in Martfeld aber nicht geben: „Wir versuchen, hier unseren eigenen Stil zu finden und dem Haus unseren eigenen Charme zu geben", unterstreicht Torsten Kirstein. Dennoch freuen sich die Aktiven über die große Unterstützung der Betreiberfamilie des Gasthauses Scholvin-Ortmann: „Sie sind unwahrscheinlich interessiert an unserem Projekt, helfen uns mit ihrem Wissen und wollen uns auch am Anfang unterstützen", freut sich Heiner Rahlmann über die gastronomische Expertise.
Richtig losgehen soll es mit den Umbauarbeiten im Januar. „Unser Wunsch ist es, dass wir zum 1. November 2021 eröffnen können, so dass man die in diesem Jahr ausgefallene Advents- und Weihnachtszeit mitnehmen kann", sagt Heiner Rahlmann. Die Projekte Theater und Dorfgemeinschaftshaus laufen über den ganzen Bauzeitraum Hand in Hand. Daher ist für alle Beteiligten klar: „Beides kann nur gemeinsam eröffnet werden." Das Theater der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft „De Plattsnackers" will in der Scheune ein "Kulturzentrum zum Erhalt und zur Förderung der niederdeutschen Kunst und Kultur und ihrer traditionellen Sprache" auf die Beine stellen.
„Unser Haus soll offen sein für alle, die Ideen haben", unterstrich Andre Habekost. Das Theater in der Scheune sei für 120 bis 130 Plätze geplant. Alle zwei Reihen solle ein kleines Podest eingebaut werden. „So kann man von jedem Platz aus gut sehen." Den derzeit noch allgegenwärtigen Straßenlärm werde man dann nicht mehr hören: „Das Theater wird mit Schallschutzwänden ausgestattet", erläuterte Andre Habekost. Theke und Foyer finden im Zwischenbau einen Platz, dessen Front verglast werden soll. Zugleich verbindet der Bau das Theater mit dem Dorfgemeinschaftshaus. Beides sind jeweils unterschiedliche und eigenständig finanzierte Bauvorhaben, die sich nach Fertigstellung gegenseitig befruchten sollen. „Wir wollen einen Beirat gründen, der Leeben in die Bude bringen und den Vorstand unterstützen soll." Als Mitglieder angedacht seien Vertreter der örtlichen Vereine. Aber auch jeder andere interessierte Bürger könne mitmachen, erläuterte Heiner Rahlmann. „Um alles realisieren zu können, brauchen wir eure Hilfe." Das gilt auch für die Unterstützung in Form einer Mitgliedschaft im Förderverein. Derzeit zähle dieser rund 90 Mitglieder. Um das Vorhaben im Ort auf eine breite Basis zu stellen, seien aber etwa 200 Mitglieder wünschenswert, so Rahlmann. Der Mietvertrag für das Dorfgemeinschaftshaus sei auf 25 Jahre ausgelegt. „Durch den öffentlichen Zuschuss aus dem Programm Dorfentwicklung verpflichten wir uns, das Projekt mindestens zwölf Jahre am Laufen zu halten", teilte Heiner Rahlmann mit.
Er wie alle anderen Anwesenden hoffen jedoch, dass sich das Dorfgemeinschaftshaus langfristig etablieren wird. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Mit Thomas Holle aus Schwarme hat der Vorstand einen Gastronomen gefunden, „der voll auf unsere Wünsche eingegangen ist", so Rahlmann. Und mit Torsten Kirstein haben sowohl das Dorfgemeinschaftshaus als auch das Theater einen Eigentümer, dem der Erhalt des Anwesens als für alle Menschen offenen Hauses ein besonderes Anliegen ist. Deswegen unterstützt er das Projekt nicht nur finanziell, sondern sichert auch den Kredit ab, den der Förderverein „Kirstein's Hoff" für die Umsetzung des Vorhabens aufgenommen hat. „Das heißt, dass es weder für den Vorstand noch für die Mitglieder eine Haftung gibt", machte Heiner Rahlmann nochmals deutlich, da im Dorf immer wieder gegensätzliche Aussagen hierzu kursieren. Alle Beteiligten bauen darauf, dass sowohl das Dorfgemeinschaftshaus als auch das Theater eine Erfolgsgeschichte werden. Eine Geschichte, die Kirstein als Eigentümer gerne unterstützt. „Dafür ist mir persönlich das Anwesen viel zu wichtig", machte er deutlich.

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Herkunftvon Johanna Badenhop
Vorfahren von Jürgen Trittin wohnten in Eitzendorf

74.24

Als ich für mein 2009 veröffentlichtes Buch »Die Höfe im Kirchspiel Hartfeld« auch die Besitzerfolge für den Hof Nr. 7 in Martfeld recherchierte, fiel mir ein besonderer Familienname auf: Trittin. Da nach meinem damaligen Kenntnisstand dieser Name ansonsten in der hiesigen Region nicht auftrat, hatte ich lediglich zwei Nachweise.
Einmal die Geburt des einzigen Kindes aus der Ehe des Kleinbrinksitzers Johann Hinrich Badenhop mit seiner zweiten Ehefrau in 1819 und dann den Todeseintrag ebenjener Ehefrau namens Johanna Maria Catharina Badenhop geb. Trittin am 13. August 1826. Weder bei den beiden Einträgen ist ein Hinweis über die Herkunft der Ehefrau verzeichnet noch wurde diese Ehe in Martfeld geschlossen. Wie oben bereits erwähnt, war mir dieser Name für unsere Gegend unbekannt. Ich kannte lediglich den ehemaligen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Jürgen Trittin. Wegen des seltenen Namens dachte ich an eine Verwandtschaft. Wer konnte ahnen, dass ich Jahre später damit richtigliegen würde. Doch dazu müssen wir weiter in die Vergangenheit reisen.
Am 19. Februar 1762 ehelichte die Hausverwaltertochter vom Rittergut in Holsten bei Eitzendorf Catharina Margaretha Göbber den Tischlermeister Johann Gottlob Trittin (1736 -1805) in ihrer Heimatkirche. Im Kirchenbuch ist vermerkt, dass er aus Frankfurt an der Oder stammte und zuvor in der königlichen Amtsstube an Eides statt angegeben hätte, dass er weder eine Frau noch eine rechtmäßige Braut habe. Wie kam man Mitte des 18. Jahrhunderts von Frankfurt an der Oder nach Eitzendorf? Das ist immerhin eine Strecke von ungefähr 430 Kilometer. Trittin war bei der Heirat 26 Jahre alt, so dass des Rätsels Lösung vielleicht in den Wanderjahren eines zünftigen Gesellen nach dem Abschluss der Lehrzeit stecken könnte. Wahrscheinlich unternahm auch Trittin als Tischlergeselle eine mehrjährige Wanderschaft, die ihn schließlich nach Eitzendorf führte. Dabei fand er wohl Gefallen an die Eitzendorferin. Jedenfalls ließ er sich hier nieder und betrieb eine Tischlerei.
Wir wissen jedoch nicht, in welchem Haus er wohnte. In früheren Zeiten wurden meist die Nachbarn als Taufpaten erwählt, doch bringen sie uns hier nicht weiter. Bei den acht Kindern zwischen 1762 und 1781 waren oftmals »Eitzendorfer Honoratioren« als Paten ausgewählt worden. So beispielsweise die Generalin von Sckölln geb. von Krough, der Oberförster Wallmann und zwei seiner Töchter, der Küster Henrich Matthias Carl, der Siebenmeier Clüver in Magelsen und der Pastor von der Hude in Eitzendorf selbst. 1770 sogar eine Verwandte aus Frankfurt an der Oder: Maria Elisabeth Trittin - die Großmutter. Andere Paten kamen von den Höfen Nr. 8, 9, 12, 13, 57 und 75. Nach dem Tod seiner Frau 1796 heiratete Trittin vierzehn Monate später Anna Elisabeth Bollmeier aus Morsum, die wiederum 1805 den verwitweten Korporal Philipp August Wiese in Eitzendorf ehelichte. Zu diesem Zeitpunkt lebte der älteste Sohn Christian Franz Trittin bereits verheiratet als Drechsler und Bürger in Delmenhorst. Doch bevor wir hier die Brücke zum Politiker Jürgen Trittin schlagen, wollen wir versuchen, Johann Gottlobs Herkunft auszuleuchten.
Wie bekannt, kam er aus Frankfurt an der Oder. Interessanterweise ist in seinem Todeseintrag vermerkt, er käme aus Cottbus bei Frankfurt an der Oder. Im merhin über 80 Kilometer voneinander entfernt. Doch konnten nach aufwändiger Recherche einige Informationen erforscht werden. Erschwert wurde die Suche zusätzlich, da bei seinem Tod ein Alter von 77 Jahren angegeben wurde, was das Geburtsjahr 1728 bedeuten würde. Doch weit gefehlt. Geboren wurde er am 2. Februar 1736 in Cottbus und erhielt in der dortigen Oberkirche einige Tage später die Taufe. Seine Eltern waren der Korporal Christian Trittin in der Kompanie von Röder und Maria Elisabeth Fuhrmann. Deren Trauung konnte ich bislang nicht finden. Kurz darauf wird der Vater seinen Dienst quittiert haben, da der nächste Sohn Frantz Siemon 1738 bereits in Frankfurt an der Oder geboren wurde. Der Vater wird nun als Schneider und dortiger Bürger bezeichnet. Wann die Eltern verstorben sind, ist bisher nicht bekannt. Die Mutter war 1770 noch Taufpatin und der Vater bei der Heirat des dritten Sohnes Samuel Gotthilf am 31. Januar 1771 bereits nicht mehr am Leben. Dieser Sohn übte auch den Beruf des Schneiders aus, wie auch dessen Erstgeborener Johann Samuel Trittin (1771 -1829). Doch nun zurück nach Eitzendorf.
Von den acht Kindern heiratete die jüngste Tochter nach Martfeld; wie bereits erwähnt. Von den drei erwachsenen Söhnen Christian Franz, Samuel Gotthilf und Johann Gottlob kennen wir das weitere Schicksal nur vom Erstgenannten. Dieser war zwei Mal verheiratet: 1790 mit Margaretha Voß aus dem Delmenhorster Stadtteil Deichhorst und 1808 mit der Delmenhorsterin Auguste Louise Sophie Griepenkerl. Er selbst erwarb in Delmenhorst die Bürgerrechte und arbeitete dort als Drechsler. Sein Sterbedatum kennen wir nicht. Am 20. Oktober 1821 wird er noch genannt, beim Tod seiner zweiten Ehefrau am 25. März 1843 wird er bereits als verstorben bezeichnet. Sein ältester Sohn aus zweiter Ehe Johann Gottlob Ernst Trittin (1809 -1887) scheint in das Geschäft des Vaters eingestiegen zu sein, da auch er Drechslermeister wurde. Er war ab spätestens 1844 Tabakfabrikant und außerdem für mehrerer Jahre Gemeindevorsteher. Aus seinen drei Ehen hatte er mehrere Söhne, wodurch sich die Familie weiter verzweigte. Sie wurden Drechslermeister, Buchhalter, Zigarrenfortierer und Klempnermeister und blieben alle in Delmenhorst wohnen. Noch heute findet man im Adressbuch mehrere Vertreter der Familie Trittin in Delmenhorst. Und aus einer dieser vorgenannten Linien stammte auch der Vater des Jürgen Trittin, Klaus Trittin (1923-1998), der nach Vegesack verzog.

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Wenn der Arbeitgeber den Lohn nicht zahlt

74.22

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Arbeitnehmer rechtzeitig seinen Lohn zu zahlen. In der Regel ist der Arbeitslohn nach Ablauf des Arbeitsmonats fällig, also am Monatsersten des Folgemonats, wenn sich nicht aus dem Arbeits- oder Tarifvertrag eine anderslautende Regelung ergibt. Welche Handlungsoptionen hat der Arbeitnehmer nun, wenn der Arbeitgeber seiner Pflicht zur pünktlichen Lohnzahlung nicht nachkommt?
Der Arbeitnehmer kann den Arbeitgeber mündlich oder schriftlich zur Lohnzahlung auffordern und eine Frist zur Lohnzahlung setzen. Für den Fall des fruchtlosen Fristablaufs kann der Arbeitnehmer dabei dem Arbeitgeber mit der Einschaltung eines Anwalts und/oder einer Klage vor dem Arbeitsgericht drohen. Arbeits- oder Tarifverträge können dabei Fristen enthalten, in denen der Arbeitnehmer seine Ansprüche gegen den Arbeitgeber durchsetzen muss. Weiter kann der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen. Die Abmahnung ist die Vorstufe zur fristlosen Kündigung wegen andauerndem Zahlungsverzug des Arbeitgebers und Voraussetzung, um diese Kündigung später aussprechen zu können. Wenn weder die Zahlungsaufforderung noch die Abmahnung den Arbeitgeber zur Lohnzahlung bewegen können, bleibt dem Arbeitnehmer nur die Erhebung der Zahlungsklage vor dem zuständigen Arbeitsericht, um an sein Geld zu kommen.
Für Martfeld ist etwa das Arbeitsgericht Nienburg zuständig. Wer vor dem Arbeitsgericht klagt, kann dort ein Urteil, oft auch einen Vergleich mit dem Arbeitgeber, erwirken, die jeweils einen vollstreckbaren Titel darstellen. Mit einem solchen Titel kann man bei dem nicht freiwillig zahlenden Arbeitgeber den Lohn etwa durch einen Gerichtsvollzieher oder eine Pfändung des Arbeitgeberkontos einziehen. Der Arbeitnehmer kann vom Arbeitgeber auch Verzugszinsen fürjeden einzelnen Tag des Lohnverzugs einfordern, nämlich 5 Prozentpunkte Zinsen über dem Basiszinssatz. Dies sind aktuell 4,12 Prozent (Stand: Juli 2020). Darüber hinaus kann der Arbeitnehmer bei erheblichem Zahlungsverzug des Arbeitgebers auch die Arbeitsleistung verweigern, muss also nicht mehr zur Arbeit gehen. Als erheblich stufen die Arbeitsgerichte regelmäßig einen Zahlungsverzug mit mindestens zwei Monatslöhnen ein. Dieses sogenannte Zurückbehaltungsrecht bezüglich seiner Arbeitsleistung ist dem Arbeitgeber schriftlich anzukündigen. Verweigert der Arbeitnehmer zu Recht seine Arbeitsleistung, darf der Arbeitgeber dieses Verhalten nicht sanktionieren. Insbesondere hat der Arbeitgeber kein Kündigungsrecht. Für die Zeit, in der der Arbeitnehmer in diesem Sinne rechtmäßig nicht zur Arbeit erscheint, hat der Arbeitnehmer sogar weiterhin Anspruch auf Lohnzahlung. Wenn der Arbeitgeber erheblich in Zahlungsverzug ist, kann der Arbeitnehmer -nach vorheriger Abmahnung- fristlos kündigen. Es ist empfehlenswert, eine solche Kündigung eng mit der Bundesagentur für Arbeit abzustimmen. Denn bei einer unberechtigten Kündigung droht eine dreimonatige Sperre des Arbeitslosengelds.
Selbst wenn das Arbeitsverhältnis noch ungekündigt fortbesteht, kann der Arbeitnehmer bereits einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Voraussetzungen sind die ausbleibende Lohnzahlung und die Beschäftigungslosigkeit des Arbeitnehmers (wegen Ausübung seines Zurückbehaltungsrechts oder weil er vom Arbeitgeber nicht mehr eingesetzt wird). Wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig ist, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf das Insolvenzgeld. Dieses ist bei der Bundesagentur für Arbeit zu beantragen. Im Rahmen des Insolvenzgelds besteht Anspruch auf den Arbeitslohn für die letzten drei Monate vor dem Eintritt des Insolvenzereignisses.

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Bericht aus Porto
Algeth E. Weerts schreibt über ihr Leben in Portugal

74.18

Algeth E. Weerts am Strand von Matosinhos.
Es ist Herbst in Porto. Sehr viel 'anders' als in Deutschland fühlt sich das nicht an: Die Laubbäume verlieren langsam ihre bunten Blätter und ich kann durch die trockenen Laubhaufen rascheln. Aber das ist dann auch schon fast alles. In meinem Lieblingspark „Jardims do Palacio de Cristal" werden die Beete neu bepflanzt - mit Stiefmütterchen. Die Azaleen und die Kamelien beginnen zu blühen, und in den Orangenbäumen leuchten die Früchte. Der Tag ist in Nordportugal jetzt im Oktober etwa eine Stunde länger als in Norddeutschland. Und weil Portugal in einer anderen Zeitzone liegt, kann ich noch im Cafe in der Sonne sitzen, wenn es in Martfeld schon dunkel ist. Wobei sofort die Frage auftaucht: Cafe? Und was ist mit Lockdown?
Schon seit längerem galt eine strenge Ausgehfrist in einigen besonders betroffenen Gemeinden. Seit dem 9. November gilt der „Ausnahmezustand" in ganz Portugal. Die entsprechenden Regelungen werden alle zwei Wochen auf ihre Wirksamkeit zur Eindämmung der Covid-Pandemie überprüft.
Neben den üblichen Hygieneregeln - Abstand, Maske, desinfizieren - könnten wir uns im Restaurant mit fünf Personen treffen. Geöffnet sind die Restaurants - je nachdem, wie die jeweilige Gemeinde es beschließt - bis 20 Uhr oder bis 23 Uhr. In inzwischen 191 Gemeindegebieten gilt eine schärfere Ausgangssperre, Porto gehört dazu. Das heißt: Innerhalb der Woche von 23 Uhr bis morgens um 5 Uhr und neuerdings am Samstag und Sonntag bereits ab 13 Uhr dürfen wir nicht raus. Dann ist es totenstill in Porto! Fast gespenstisch.
Die Tradition, sonntags zu den Eltern zu fahren, dass die Familien zusammenkommen, soll damit ausgehebelt werden. Ganz abgesehen davon, dass diese Maßnahme - vor allem im Zusammenhang mit den derzeitigen Covid-Regelungen im übrigen Europa, Touristen davon abhält zu kommen.
Ich genieße mein Sein in Porto. Aber manchmal ist es mir schwer, in die kleinen Läden und Cafes zu sehen und kaum Kundschaft zu sehen. Und in den teuren Läden stehen sich die Verkäuferinnen die Beine in den Bauch. Gestern gab es eine Demo von Hoteliers und Restaurantbesitzern auf dem schönsten Platz Portos, dem Aliados. Die sonst so gelassene Art der portugiesischen Menschen war da nicht mehr zu spüren. Die Wut ist groß.... Und was mache ich hier? Passend zur Pandemie-Situation: Ich arbeite nicht mehr in der Pilgerherberge, und ich habe mir eine Zeit mit 'Nichtstun' verordnet. Ich habe eine Wohnung - gemeinsam mit einer Brasilianerin und einem Urugayer. Wohnen ist teuer in Porto! Die Sprache? Wir sprechen portugiesisch... mit spanisch und brasilianisch und englisch gemixt. Und wir kochen international.
Porto ist eine Stadt voller spannender Gegensätze. Die Baixa, Downtown, die Innenstadt - das sind die exklusiven Läden, die schicken Restaurants, die jungen "hippen" Orte. Ab und zu werde ich angesprochen und um Geld gebeten. Dann teile ich etwas vom Einkauf oder die Bananen, die gerade dabei habe, mit den Bettlern. Manchmal frage ich auch die Alte auf der Türschwelle, den Alten vor der Kathedrale, ob sie Hunger haben oder einen Cafe möchten und hole aus der nächstliegenden Pastelaria - so etwas wie eine Bäckerei, aber ohne Brote - etwas zu essen. Und immer, wirklich immer, sind sie total dankbar. Unvorstellbar, für einen Euro zwei Menschen so glücklich zu machen, mich ebenso, wie diese Armen. Tagsüber erwandere ich mir die Stadt, die wunderschönen Parks, ich sitze am Meer oder am Fluss. Und auch, wenn es jetzt abends eher dunkel wird, liebe ich meine Spaziergänge.
Unlängst war ich an einem nieseiigen Abend unterwegs zur Ribeira, das ist der alte Kai von Porto unten am Douro. Die Restaurants waren alle ziemlich leer, trotz Wochenende. Ich habe mich dort auf die Mauer gesetzt, die Füße baumelten über dem Fluss, und habe den Kellner gefragt, ob er mir auch da ein Glas Portwein bringen würde. Was dann häufiger passiert, ist, dass sie auf englisch weiter fragen... ich sehe nicht aus wie eine Portugiesin und sicher "benehme" ich mich auch nicht so! Aber ich verstehe dann besser Portugiesisch als Englisch. So war das schnell geklärt: Ja, bitte, einen roten Port. So, und jetzt einmal vorstellen: Ein oktoberwarmer Abend mit dünnem Nieselregen, unter einem Schirm auf der Mauer am Fluss sitzen und gegenüber die Lichter von Vila Gaia de Nova. Das Glas wunderbaren Portwein langsam und bedächtig austrinken. Das ist unendlich schön!
Als ich bezahlen wollte, sagte der Kellner, das kostet normalerweise drei Euro - nicht sehr viel für einen viertel Liter Portwein. Ich hätte aber ja so lange warten müssen - ja stimmt! -, und draußen auf der Mauer sitzen.... dann sind das nur 2 Euro. Das ist Portugal!!!! Mein Herz hat sich längst entschieden! Und Martfeld? Natürlich vermisse ich das Vertraute, meine Freundinnen und Freunde, mein Zuhause. Eine Herzensentscheidung ist die eine Seite. Ob ich auch leben kann in Porto, das wird sich noch herausstellen. Aber ich bin erst einmal gerne „Auslandskorrespondentin" der Martfeld live!

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Bouleclub blickt zurück
Spielbetrieb zwischen den Lockdowns

74.17

v.l.Dr. Klaus Blanck , Gabriele Bernard, Hans Göhlert. Im Hintergrund: Rainer Remers.
Die Pandemie führt auch für unseren Bouleclub zu Einschränkungen. Zwischen den Lockdowns konnten wir den Spielbetrieb unter Einhaltung entsprechender Sicherheitsvorkehrungen wieder aufneh- men und können daher auf einige schöne Ereignisse in diesem Jahr zurückblicken.
Im Februar trafen sich die Männer am Bouleplatz zum „Frühjahrsputz". Zur Kaffeezeit versorgte uns unser Geburtstagskind Heinz mit Kaffee und einer leckeren Torte. In der Zwischenzeit bereiteten die Frauen ein Festmahl vor. Nach getaner Arbeit wurde dann in geselliger Runde mit 15 Personen geschlemmt.
Am 30. August fand unser 3.internes Bouleturnier um den Wanderpokal statt. Nach ca. drei Stunden stand der Sieger fest. Hans Göhlert aus Schwarme durfte den Wanderpokal in Empfang nehmen. Außerdem gab es für die besten drei Spielerinnen und Spieler Blumenkörbe und Honig. Mit einem gemütlichen Beisammensein und leckerem Essen klang der Tag aus. Unser alljährliches Turnier gegen die Boulefreunde des DFFK Syke fand am 19. September statt.
Dafür mussten zwei zusätzliche Rasenplätze angelegt werden. Nach einem spannenden Wettkampf stand der Sieger fest. Unsere Freunde aus Syke haben ein Spiel mehr gewonnen und dürfen somit den Pokal behalten. Einenherzlichen Dank an die Tennissparte für die Nutzung des Vereinsheims. In diesem Jahr freuen wir uns über sechs Neuzugänge, so dass wir nun 18 Mitglieder verzeichnen können. Sobald wir wieder trainieren dürfen, werden wir dieses in der Kreiszeitung bekannt geben. In unseren am Platz befindlichen Schaukasten werden auch die Trainingszeiten bekannt gegeben. Weitere Auskünfte erteilen gerne Rainer Remers und Hans Hermann Bauer

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Ein historisches Stück Martfeld
Original Holzstücke vom Alten Pastorenhaus

74.16

Der Heimat- und Verschönerungsverein Martfeld e.V. und im Besonderen die Arbeitsgruppe „Altes Pastorenhaus von 1535" veräußert ab sofort ein echtes Stück Geschichte in einer limitierten Auflage.
So unglaublich es auch klingt: Interessierte erhalten ab einem Preis von 15,35 € ein Original Holzstück mit Brandzeichen Anno domini 153V" mit Echtheitszertifikat. Damit werden sie einer der besonderen Unterstutzer des Wiederaufbaus dieses ehrwürdigen Hauses, das ohne das bisherige Engagement des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) Martfeld abgerissen worden wäre. Ein echtes Stück Hartfelder Historie wäre unwiederbringlich verloren gegangen.
Alle Käuferinnen und Käufer haben die einmalige Gelegenheit, ein kleines Stück des Hauses, das so viele hundert Jahre alte Geschichten verborgen hielt, zu erwerben. Damit bekommen sie ein authentisches Stück Martfeld, dessen Echtheit durch dendrochronologische Untersuchungen nachgewiesen wurde.
„Beschenken Sie sich oder andere, und unterstützen so die wertvolle Arbeit des HVV", gibt der HVV den ultimativen Weihnachtsgeschenk-Tipp. Die Arbeitsgruppe „Altes Pastorenhaus von 1535" bietet dieses ausgefallene Stück Mittelalter ab sofort über Susanne Till an,

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Altes Pastorenhaus ist verrollt
Drei spektakuläre Tage im Dezember

74.12

Vor wenigen Wochen noch brach Tassilo Turner mit seiner Mannschaft die Hülle des Alten Pastorenhauses ab ...
„Sind wir soweit?", fragt Tassilo Turner, der Chef auf der Baustelle, in die Runde. „Wir fahren fünf Meter gerade und machen dann die Wende", sagt der Diplom-Ingenieur, der sich selbst am entscheidenden Tag hinter das Steuer des Teleskopladers setzte, um mit der Verrollung des Alten Pastorenhauses von 1535 zu beginnen. „Versetzt habe ich schon ein paar Dutzend Häuser, verrollt aber bislang noch keines", verrät Turner und schickt nach: Aber daran wächst man ja und entwickelt sich weiter." Insgesamt sieben Männer und eine Zimmerin machen sich ans Werk, legen Holzbohlen auf die Straße und immer wieder runde Holzstämme unter die Hauskonstruktion, um das Gebäude mit Hilfe des Teleskopladers Zentimeter für Zentimeter zu wenden.
Kein leichtes Unterfangen, immerhin hat das Haus ein Gewicht, das auf 15 bis 20 Tonnen geschätzt wird. Zudem ist das ganze Unternehmen Millimeterarbeit. „Der dicke Stamm muss raus, ich muss nochmal die Winde ansetzen", sagt Tassilo Turner und kurvt mit seinem Teleskoplader von Ecke zu Ecke, hebt das Haus hier an und da an. „Weiter geht's nicht", ruft er - denn er steht schon vor dem Zaun des Nachbarn. Wann immer sich das Pastorshus, wie es kurz genannt wird, bewegt, knirscht und knarzt es. „Das ist ganz normal", beruhigt Architekt Martin Tolksdorf. „Denn es sind keine ganz starren Holzverbindungen." Er sieht die Gefahr des Procederes eher an einer anderen Stelle: „Wenn das Gebäude in eine Schiefstellung kommt. Das ist wie ein Tablett mit hohen Gläsern darauf. Wenn das in eine Schieflage gerät, verändert sich auch das Gewicht", erläutert der Architekt.
Für ihn wie für alle anderen Aktiven des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) Martfeld sind Tage wie dieser nach zwei Jahren der Planung etwas ganz Besonderes. „Das ist ein schöner Moment", findet Martin Tolksdorf. Für die Verrollung habe sich der HVV ganz bewusst entschieden, weil es ein historisches Verfahren sei. Man hätte das Haus auch mit Kränen an seinen neuen Standort an der Hauptstraße versetzen können. Aber das wäre auch nicht so einfach gewesen. Da hätten wir zwei Kräne gebraucht." Da passe das historische Verfahren einfach besser, meint Tolksdorf. Und es bedeutet nicht nur für die handelnden Handwerker und die HVV-Verantwortlichen, sondern auch für die Zaungäste einiges an Nervenkitzel.
Zwei Stunden lang geht es vor allem darum, das Gebäude um die Kurve und auf die Straße zu bringen. „Ist es schon parallel zum Zaun?", will Tassilo Turner von seinen Leuten wissen. Irgendwann hebt sich der Daumen, das Haus steht in Position. „Das gerade Ziehen ist dann viel einfacher", weiß der Architekt. Immer wieder werden die Bohlen von den Zimmerleuten verlegt, immer wieder die Rollen darunter gelegt.
In der unterschiedlichen Dicke der Stämme macht Heinz Riepshoff von der Interessengemeinschaft Bauernhaus den Grund aus, warum das Verrollen anfangs nicht ganz problemlos verläuft. Mal ist Luft zwischen Stamm und Haus, mal nicht, hat er beobachtet. „Das ist meine dritte Verrollung", berichtet der Bauernhaus-Experte, der schon 1976 in der Nähe von Syke und in den 1990er Jahren in Kleinenborstel bei ähnlichen Veranstaltungen dabei war. Ziel ist es am Donnerstag, das Haus gerade auf der Straße weiter bis zum Grundstück der Kirche zu schieben. „Heute Nacht übergeben wir das Pastorshus dann in die Obhut der Kirchengemeinde", schmunzelt Martin Tolkdorf, bevor es dann am Freitag seinen finalen Standort an der Hauptstraße, direkt neben dem Gemeindehaus, erreichte.
Auch der ehemalige Martfelder Pastor Heinz-Dieter Freese blickte als interessierter Zaungast anerkennend auf das, was da seinen Weg auf die Straße nahm - das Haus, das mit Otto Homfeld einer seiner Vorgänger 1535 für seine Frau und seine Kinder errichten ließ. Die letzten Meter wurde es dann am dritten Tag von mehreren Männern mit Hilfe eines historischen Gewindes in seine neue Position gezogen. „Wir waren schneller als geplant", freute sich Architekt Martin Tolksdorf am Nachmittag. Dann wurde erst einmal aufgeräumt; den Zaun, der zunächst weichen musste, bauten die Zimmerleute wieder auf. Mit den Bauarbeiten am Pastorshus werde es nach der Winterpause voraussichtlich im März weitergehen, sagte Martin Tolksdorf. Im Laufe des Jahres 2021 soll das wohl älteste Haus Martfelds soweit hergerichtet werden, dass darin eine Präsentation zur Geschichte des Gebäudes und der frühen Reformationsgeschichte auf dem Land ihren Platz finden kann. Weitere Informationen.


Anja Grotheer wurde 1963 im Alten Pastorenhaus von 1535 geboren

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Zurück in den Wald
Björn Huhnholt ist Falkner aus Leidenschaft

74.10

Björn Huhnholt legt sich ein Stück Hühnerfleisch auf seinen Handschuh, während er in der Voliere steht und aufmerksam von dem Turmfalken beäugt wird, der auf einem Ast sitzt. Als Björn Huhnholt die Hand mit dem Handschuh ausstreckt, setzt das Vogel zum Flug an, schnappt sich das Fleisch und verputzt es in einer anderen Ecke der Voliere.
„Er ist jetzt seit drei Wochen hier", sagt Huhnholt über den Turmfalken, der verletzt am Straßenrand gefunden und dann zu ihm nach Martfeld gebracht wurde. Nach Empfehlung des Deutschen Falkner-Ordens ist es zu diesem Zweck auch möglich, die Tiere mit Hilfe von Handschuhen und falknerischen Methoden so zu trainieren, dass sie nach der Auswilderung ihrer Beute wieder alleine nachstellen können. Die Lebenschancen der Greife in der freien Wildbahn erhöht sich damit.
Noch zwei Wochen, dann wird das Tier wieder ausgewildert. Bis dahin wird es noch einige Flugtrainings absolvieren, um künftig alleine zurechtzukommen. „Der Vogel muss das Jagen nicht lernen", weiß Björn Huhnholt. Beim Fliegen aber trainieren die Eltern ihre Kinder noch mehrere Wochen. Ein Job, den Björn Huhnholt jetzt übernimmt. Der 41-Jährige ist Falkner und betreibt in Martfeld eine Eulen- und Greifvogelhilfe. „Schon als Kind habe ich Vögel groß gezogen", erzählt Björn Huhnholt, der 2016 eine Auffangstation für Rabenvögel und Kolkraben betrieb und 2018 schließlich seinen Falknerschein in Mecklenburg-Vorpommern machte.
Warum das so spannend für ihn ist? „Wenn man will, kann man auch beruflich als Falkner arbeiten und zum Beispiel Vögel für Flugshows trainieren", berichtet er. „ich finde aber vor allem alles am Greif spannend." Steinkauze und Bussarde, Wald- und Schleiereulen: Bei Björn Huhnholt werden sie aufgezogen oder können sich erholen, wenn sie verunfallt waren. Für den 41-Jährigen ist die Beschäftigung mit den Tieren ein Hobby. Aber eines, das er gerne macht. Wenn die Vögel fit und gesund sind, wildert er sie wieder aus - „aber nicht hier in Martfeld", unterstreicht er. Der Falkner arbeitet eng mit den zuständigen Behörden wie dem Veterinäramt und der Naturschutzbehörde, aber auch mit Tierärzten zusammen. Wenn - so wie im aktuellen Fall - ein Tier neben der Straße gefunden wird, erhält er einen Anruf. Jn diesem Jahr gibt es aufgrund der vielen Mäuse auch viele Turmfalken. Da werden bis zu sechs Junge ausgebrütet - und dann fällt auch mal eines aus dem Nest."
Normalerweise soll man die Tiere dann dort lassen, wo sie sind. Denn die Eltern kümmern sich zuverlässig um ihre Jungen. Im aktuellen Fall aber war es anders: „Da saß das Tier direkt neben der Straße." Die Gefahr des Überfahrens durch ein Auto wäre zu groß gewesen. Also kam Falkner Björn Huhnholt ins Spiel, um dem jungen Turmfalken zu einem guten Start ins eigenständige Leben zu verhelfen.

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4 Kerzen und ein Gedicht
Weihnachtliches von Hanna Bormann

74.8

4 Kerzen
Een Kind geiht in een Room. Dor staht 4 Kerzen. Dat Kind zündet alle Kerzen an und freit sik over dat helle Licht. Dor fangt de erste Kerze an to flackern un seggt: „Ik bün die Ehre, doch de Minschen hebbt keene mehr", un de Kerze geiht ut.
Dor flackert de tweete Kerze und seggt: „Ik bün de Glaube, doch de Minschen hebbt ehren Glauben verloren!" Un ok düsse Kerzen geiht ut.
De dritte Kerze flackert un seggt: „Ik bün de Friede, doch dat givt keen Frieden op de Erde mehr!" Ok se geiht ut.
Dat Kind fangt an to blaaren un seggt: ji sünd doch Kerzen, ji schüllt doch brennen!" Do seggt de vierte Kerze: „Nu blaar doch nich, ik bün de Hoffnung un so lange ik brennen do, kannst du de anderen Kerzen wedder anzünden." Dat Kind besinnt sik nich lange und zündet de anderen Kerzen mit de vierten Kerzen wedder an, dormit Ehre, Glaube un Friede tohopen mit de Hoffnung düssen Room ehr Licht spenden.

Advent
Advent is in Dezember so steiht dat in Kalender watt schal) bloß weern hier up Eern keen hätt sik dat bloss utdacht so tein Weeken för Wiehnacht' staht all in dat Koophuus de Wiehnachtsmänner un Sterne un dat Wiehnachtsgedudel höört man ut de Ferne up dat Ende Oktober schön weern mutt för us luttjen und grooden Leckerschnuten wi schüllt us dörup besinnen den Zauber erst in Advent to beginnen.
Ümschreeven up platt von Hanna Bormann.

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Oh, so eene Bescherung
Eine Weihnachtsgeschichte

74.6

Wi jümmers hett de ganze Familie middags an Köökendisch setten un sik de Aafgensuppen schmecken laten. Miene Schwiegermudder harr sik de Suppen all so lange wünscht. An' Disch is dat ganz liese. De Suppen mit dröchten un geschälten Aafgen, mit olen Schinkenknaaken, Kartöffeln un Speck schmeckt allen good.
Doch up een Mal passiert wat gräsiges mit use oolen Mudder. Use Oma hett Lievweh kreegen, weil se so flink äten harr. Se spuckt de Suppen mit een Schwung wedder ut. So bums höhl ik ehr den Teller vör den Mund. Nix wöör up den Kiddel un den Köökendisch kamen. Schweet stünn mi up de Stirn. Mit den Teller güng ik flink to'n Klo un hebbt den Inhalt wechspü lt. Mi köömt jo uk fast hoch. Up een Mal weern alle anderen satt. Wi hebbt use Mudder wedder na hoben in eer Stuuv brockt. Se woll sik na de Strapazen erstmal utraun un Middagsschlap maken.
Mien Kerl un ik haarn ünner Mudders Stuuv buten in Goorden wat to doon. Up een Mal hörten wi use Mudder luvt blaarn un se röp: „Miene Thän sünd wech! Miene Thän, miene Thän!" Watt... nee... oh nee...hebb ik viellicht de Thän mit dat Utgespeechte in dat Klo schütt??? lk also so flink miene Fööte mi dreegen können na mine Schwiegermudder na baben. Jo, nu weer dat gewiss ... de Thän weern wech! Ganz sicher harr ik de mit wechspült. Wedder stünn mi de Schweet up de Stirn. Oh ... nee ... mut een neet Gebiss her! Wat för eene Upregung!
lk rööp na ünnen to mien Kerl: "Stell de Waschmaschine un den Geschirrspüler ut. Wi mööt dat Afwadder ut den Afwadderschacht pumpen. Flink, hol de Pumpe! Viellicht is dat Gebiss jo noch dor!" Bange Tiet stünn us int Gesicht. Dat dreckige Water is jümmer weniger woorn. Ji glöövt dat nich. Up eenmal hebbt wi dat Gebiss wedder funnen. Dat wöör noch ganz un nix weer kaputt. Minsch harrn wie een Glück!
Mien Kerl harr de dreckigen Thän in de Hand un fraagt: „Un nu...?" „Dat kummt jetzt in de Spülmaschine rin!" hebb ik seggt.SO blitzeblanke Thän hett use Mudder noch nie nich sehn.

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Wissen, wo's herkommt
Landschlachterei Wolters seit 60 Jahren

74.6

Drei Generationen auf einen Blick (von links): Julia Beck sowie Michael, Inge, Oliver und Adolf Wolters.
Ein Altbau auf Stroh - funktioniert das? Diese Frage stellte sich Michael Wolters, bevor er den alten Spaltenstall umbauen ließ, der direkt an die Schlachterei der Familie grenzt. Heute bejaht der Schlachtermeister diese Frage für sich. „Drinnen haben die Schweine ihren Liegeplatz und draußen ihren Aktivitäts- und Kotbereich." Einmal in der Woche mistet der 28-Jährige aus. "Mir macht die Stallarbeit Spaß", erzählt Wolters, der vor einigen Jahren in die Schlachterei seines Vaters Oliver eingestiegen ist. Der junge Schlachtermeister verantwortet den Tierbereich - genau wie es sein Vater Oliver einst gemacht hatte, bevor er 1993 von seinem Vater Adolf die Schlachterei ganz übernahm.
Am 1. November gibt es die Landschlachterei Wolters seit nunmehr 60 Jahren. „Ich habe damals mit einer kleinen Landwirtschaft angefangen", erinnert sich Adolf Wolters, der Senior, der die Firma zusammen mit seiner Frau Elisabeth 1960 gründete und bis heute noch im Familien-Unternehmen mitarbeitet. Mittlerweile packen drei Wolters-Generationen gemeinsam mit an. Die Basis für ihre Arbeit bilden rund 200 Mastschweine, die Michael Wolters seit anderthalb Jahren in 45er-Gruppen auf Stroh hält. Außerdem zählen 40 Mutterschafe und ihre Nachzucht zu seinem Arbeitsfeld. Die laufen auf einer Weide direkt hinter dem Betriebsgelände. Die Schweine würden fetter werden, seitdem sie auf Stroh stehen, hat Wolters beobachtet. „Außerdem wachsen sie etwas langsamer. Das ist ein gutes Zeichen für die Fleischqualität", findet er.
Pro Woche werden im Durchschnitt 20 Schweine sowie drei bis vier Lämmer geschlachtet. Die haben allesamt einen denkbar kurzen Weg vom Stall bis zur Schlachtung: „Wir machen das Tor auf, und sie laufen einmal über den Hof." Das Tierwohl steht bei Wolters ganz oben an. Die Familie erhält ihre Tiere als 30 Kilogramm schwere Ferkel und behält ab da die komplette Wertschöpfung in ihrer Hand. Denn nachdem die Schweine geschlachtet sind, werden sie in der hauseigenen Schlachterei weiter verarbeitet. „Dabei versuchen wir, das komplette Tier zu verwerten", erzählt Michael Wolters. Die Knochen koche man für Brühe aus, Bauch und Schulter landen in Mett- und Leberwurst, Pfötchen nutze man beispielsweise für die Topfsülze. Vermarktet werden alle Produkte zum überwiegenden Teil mit den eigenen Verkaufswagen auf mehreren Wochenmärkten in Bremen, Achim, Rotenburg, Verden und Hoya und über den eigenen Hofladen.
Viele Kunden achteten genau auf die Herkunft ihres Fleisches. „Die Menschen wollen wissen, wo ihr Fleisch herkommt", berichtet Oliver Wolters. „Manchmal kommen auch Kunden Bremen her und gucken sich den Stall an", sagt Michael Wolters, der statt Soja aus dem Ausland Raps- und Sonnenblumenschrot für die Fütterung einsetzt. Einige Schweine und auch die Rinder, Bullen und Kälber kauft die Landschlachterei Wolters zu. „Wir kennen die Landwirte persönlich und fahren da auch mal hin", berichtet Michael Wolters. Zudem schlachtet der rund 20 Beschäftigte zählende Betrieb auch für Landwirte und andere Direktvermarkter. „Da sind wir dieses Jahr aber schon komplett ausgebucht", sagt der Schlachtermeister, dessen Freundin Julia genauso im Geschäft mit arbeitet wie seine Eltern Oliver und Inge, die die Schlachterei führen. Auch sein Großvater Adolf kommt noch immer jeden Tag in die Schlachterei und arbeitet mit. Der gesamten Familie gemein ist der Anspruch an eine gute Fleischqualität. Die lasse sich nur erreichen, wenn man auch gut mit den Tieren umgehe. Sicher seien die Schweine und Schafe Nutztiere und letztlich für die Schlachtung gezüchtet. Aber bis dahin müssen sie es gut haben", findet Michael Wolters. Dass ein Betrieb wie der der Familie die Aufzucht, Schlachtung und Vermarktung gleichzeitig übernimmt, ist selten, weiß der junge Schlachtermeister.
Er hatte auch die Idee zum Regiomaten, dem Automaten, der auf dem Hof steht und außerhalb der Öffnungszeiten des Ladengeschäfts eine schnelle Quelle für Grillfleisch und Salate ist. „Das wird gut angenommen", freut sich Michael Wolters. Das gilt auch für das besondere Dry-Aged-Fleisch, das in einem speziellen Reifekühlschrank hängt und immer mehr Anhänger findet. Etwas Neues probiert Michael Wolters derzeit auch im Schweinestall aus: Eigentlich setzt er auf Pietrain-Schweine. In eines der Abteile hat er jetzt erstmals ausschließlich Durocs mit langen Schwänzen eingestallt. „Die werden ein bisschen fetter, sollen intramuskuläres Fett ansetzen und haben eine gute Fleischqualität", berichtet der 28-Jährige.

Das gesamte Team der Landschlachterei Wolters.

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Eine echte Herausforderung
Heidi Kasper unterrichtet Geflüchtete aus Kolumbien

74.4

von links Mayerli, Freddi und Carlos.
Mutter, Vater, Sohn, Tochter, Oma und Opa: An der Tafel stehen Worte wie diese. Heidi Kasper hat auch schon passende Arbeitsblätter vorbereitet. „Heute haben wir das Thema Familie, das haben sie sich gewünscht", erzählt Heidi Kasper. Sie, das sind vier Kolumbianerinnen und Kolumbianer, die seit einigen Monaten in Martfeld und Gehlbergen leben und denen Heidi Kasper die deutsche Sprache näher bringen will.
„Deutsch zu lernen ist schon eine Herausforderung", findet die 77-Jährige, die sich gerne für die Geflüchteten engagiert, weil es sie zugleich selbst fit hält: „Wer rastet, der rostet", sagt sie. Wichtig sei es, zu den Teilnehmern eine Beziehung aufzubauen. „Erst mal sage ich ja: ,Ich möchte jemanden unterrichten, kenne die Leute aber noch gar nicht", sagt Heidi Kasper. Dann gelte es, einen Draht zueinander zu finden. Der Vorteil ihres Deutsch-Kurses: „Es gibt keinen Druck, weil eine Prüfung ansteht. Das ganze Angebot ist absolut freiwillig. Und ich kann mich ganz nach den Teilnehmern richten", erzählt die 77-Jährige.
Während Mayerli (41) schon am Tisch im Gemeindehaus Platz genommen hat, fehlt an diesem Tag ihre Tochter Natalia, die noch an der Berufsschule in Syke zu tun hat. Und wenige Minuten später sausen auch Carlos (26) und Freddy (35) mit ihren Rädern um die Ecke. Sie kommen aus Gehlbergen, wo sie seit neun bzw. acht Monaten mit ihren Familien leben. Wer sich mit ihnen unter hält, merkt einmal mehr, dass Integration in der aktuellen Corona-Phase eine ganz besondere Herausforderung ist. Die Kontaktmöglichkeiten sind begrenzt. Auch für Mayerli und ihre Tochter, die in Martfeld zuhause sind. „Heidis VHS-Kurs hat wegen Corona nicht stattgefunden. Da sie Mayerli aus Martfeld kannte wollte sie ihr Nachhilfe anbieten. Dass daraus ein kleiner Kurs geworden ist, hat unsere Integrationsbeauftragte Imke Dirks organisiert", erzählt Axel Hillmann vom Verein „Lebenswege begleiten".
Der Kurs findet als Zusatzangebot des Vereins im Gemeindehaus in Martfeld statt und ergänzt das professionelle Sprachkurs-Programm von „Lebenswege begleiten", das Angebote wie „Mama lernt Deutsch", einen Sprachkurs für Fortgeschrittene in Kooperation mit der Ländlichen Erwachsenen-Bildung und einen Sprachkurs für primäre Analphabeten umfasst, der von der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung und Privatspenden gefördert wird.
Carlos und Freddi lernen in Bruchhausen-Vilsen Deutsch, aber auch bei Heidi Kasper in Martfeld. „Die beiden helfen auch in unserer Fahrradwerkstatt in Bruchhausen-Vilsen", sagt Axel Hillmann und bringt auf den Punkt, was allen Geflüchteten gemein ist: „Sie sind händeringend auf der Suche nach Kontakten." Sie lernen zuhause Deutsch, erzählt Carlos. „Wir möchten aber noch mehr Deutsch-Unterricht haben", sagt der 25-Jährige, der aus Pereira in Kolumbien stammt und dort in der Verwaltung tätig war hat. Das sieht Freddi, der als Elektriker gearbeitet hat, genauso wie Industrienäherin Mayerli, die jetzt einen Job als Reinigungskraft in Aussicht hat.
Sie alle stammen aus großen Städten wie Bogota, Pereira oder auch Jamundi in Kolumbien. Und aus einem Land, das laut UNO-Flüchtlingshilfe seit 2015 das Land mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit ist. Mitte 2019 waren es 7,9 Millionen Menschen, die im eigenen Land auf der Flucht waren. Im Jahr 2019 wurden 189.448 kolumbianische Flüchtlinge außerhalb des Landes registriert. Kolumbien sei durch anhaltende Konflikte zwischen bewaffneten Gruppen geprägt, die um Land und Ressourcen kämpfen und viele Menschen zur Flucht zwingen, schreibt die UNO-Flüchtlingshilfe. Im November 2016 trat ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC - Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) in Kraft, das die Konflikte beenden sollte. Die ehemalige Guerillagruppe habe ihre Waffen seitdem offiziell niedergelegt. Doch aus der Umsetzung des Abkommens folgten auch neue Probleme. Das Machtvakuum, das durch die Demobilisierung der FARC entstanden sei, habe zu territorialen Streitigkeiten zwischen neuen und bestehenden bewaffneten Gruppen geführt. Diese Konflikte destabilisieren die bereits unsichere Situation weiterhin, was zu weiterer Vertreibung führe, so die Flüchtlingshilfe.
Der Willen, in Deutschland einen Neuanfang zu wagen, ist bei Mayerli, Carlos und Freddi da. „Wir lernen Deutsch, aber wir verstehen noch zu wenig", sagt Carlos. Zudem sei es schwierig, in einen Integrationskurs zu gelangen. „Nicht alle Geflüchteten sind anerkannt. Das versuchen wir mit unseren Angeboten aufzufangen", sagt Axel Hillmann.
Dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist, wissen die Kolumbianer. Sie machen ihre Hausaufgaben und füllen die Arbeitsblätter aus, die Heidi Kasper ihnen mitgibt. Und hoffen darauf, dass sie bald mehr Kontakt zu Einheimischen haben können.

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