Moin, moin
wer glaubt, aufgrund der Corona-Situation sei nichts los in Martfeld, irrt gewaltig. Im vorliegenden Heft findet Ihr aus aktuellem Anlass zwar keine Veranstaltungsankündigungen. Dafür aber umso mehr Geschichten, die um Martfelderinnen und Martfelder und das, was sie tun, kreisen. Ihr erfahrt, dass die Grundschule wieder auf eigenen Beinen steht, wie es beim Alten Pastorenhaus von 1535 voran geht und warum die „Martfelder Mäuse" ihren Platz im Gemeindehaus gefunden haben.
Eine Nachricht, die die Redaktion kurz vor Drucklegung der „Martfeld Live" erreichte: Die G.d.S. Martfeld hat entschieden, dass sie in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt veranstalten wird. Die Maßnahmen, die von ihr als Veranstalter aufgrund der Corona-Situation gefordert wurden, seien zu hoch, begründet der Vorsitzende Friedrich Hoftorf die bedauerliche Absage.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen! Euch Eure „Martfeld Live" - Redaktion Regine Suling
Redaktionsschluss
für die nächste "Martfeld Live" ist am 20.11.2020

 

Impressum
Internet: martfeld.de

 

Auflage:
1000 Stück

Verteilung:
kostenlos

Herausgeber und V.i.S.d.P.
G.d.S. Martfeld

Druck:
Brune-Mettcker Druck- und Verlagsgesellschaft mbH.
Parkstraße 8
26382 Wilhelmshaven

 

Redaktion & Layout
Regine Suling
Zur Maase 9a
27327 Martfeld
Mobil: 0175 - 2410675
E-Mail: regine.suling@mediacommunicate.de

Internet:
www.martfeld.de



Facebook:
www.facebook.com/Martfeld-Live



 

  Titel Heft 73 August 2020 Autor  
  Pilgern mit Hindernissen    
  Ein Herz für Blumen    
  Martfelder Mäuse    
  Altes Martfeld Teil II   Wilfried Nordbruch  
  Agroforst Projekt    
  Grundschule wieder eigenständig    
  Eine Woche voller Sport   Inge Fischer  
  Hütte 54 feiert 30-jähriges   Torsten Tobeck  
  K+K Physio    
  Schmiededynsie Hoppe   Henns Harries  
  Ein Gedenkstein kehrt zurück   Henns Harries  
  Geht nicht , gibt es nicht    
  Eine Party für die ganze Straße    
  Immer für die Fahrgäste im Einsatz    
  Altes Pastorenhaus in Martfeld    
  Deutschstunde    
  Sonstiges    
 

Nach oben


xy

Lesestoff aus der Telefonzelle
Falko Bodendieck hatte die Idee dazu

73.13

Sie ist prall gefüllt mit Büchern zum Mitnehmen und Weitergeben: die gelbe Telefonzelle, die seit kurzem vor dem Martfelder Gemeindehaus ihren Platz gefunden hat. Die Idee dazu hatte Falko Bodendieck.
Der 21-Jährige ist Mitglied im Kirchenvorstand, bekam ein Budget von seinen Kollegen aus dem Etat der Kirchengemeinde - und machte sich auf die Suche nach einer geeigneten, ausgedienten Telefonzelle. „Ich habe sie in Kirchdorf gefunden", erzählt Falko Bodendieck. Zusammen mit Thorsten Schlake holte er sie ab, und die eigentliche Arbeit begann. Gemeinsam mit seinem Vater Hans-Gerhard brachte Falko Bodendieck das gute Stück gründlich auf Vordermann. Es wurde mit Blechen zum Teil neu verkleidet, zwei Mal gestrichen, mit Regalen und einem neuen Boden ausgestattet sowie mit einer Beleuchtung ausstaffiert, die an den Bewegungsmelder der Außenbeleuchtung des Gemeindehauses gekoppelt ist. Die Fläche, auf der die Telefonzelle steht, wurde mit Beton ausgegossen. Die Zuwegung gestalteten die beiden mit Gehwegsteinen ansprechend.
„Das ist Luxus pur", findet Hans-Gerhard Bodendieck, der gemeinsam mit seinem Sohn einige Stunden Arbeit in das Projekt investiert hat. Neben der Kirchengemeinde hat auch der Erlös aus dem Erwachsenenflohmarkt die Realisierung der Büchertelefonzelle möglich gemacht. Gerda Blöte ist diejenige, die das Bücherangebot ab sofort in Schuss hält: „Ich passe auf, dass die Telefonzelle nicht zu leer oder zu voll ist."

Brieftauben im Einsatz

73.19

Auch die Brieftauben haben es in Corona-Zeiten nicht leicht: „Keine Einsatzstelle war auf den Regelbetrieb während einer Pandemie vorbereitet", sagt Jörg Hopmann von der Reisevereinigung Martfeld.
„Es musste überall schnell gehandelt werden, um die Hygienemaßnahmen umzusetzen." Schließlich habe durch den unermüdlichen Einsatz des Präsidiums alles geklappt: Die Genehmigungen für den Reisebetrieb seien erteilt worden. Für jeden Züchter ist jetzt ein Zeitfenster vorgesehen, so dass sich immer möglichst wenige Personen beim Einsatz aufhalten. Mittlerweile hat die Reisevereinigung Martfeld die ersten Preisflüge mit ihren Brieftauben absolviert.
Die etwas verkürzte Saison startete im etwa 150 Kilometer entfernten Hemer. Die Distanzen, die die Brieftauben bis zu ihrem Heimatort zurücklegen müssen, steigen sich noch bis 500 Kilometer am Auflassort Ettenheim. Alle Züchter sind motiviert und hoffen auf eine Saison ohne Wetterkapriolen-. sagt Jörg Hopmann.

Sommercamp auf dem Tennisplatz
Spiel mit der Filzkugel bei heißen Temperaturen

73.21

Die Nachwuchsabteilung der Sparte Tennis des TSV Martfeld veranstaltete am Samstag, 8. August, ein mehrstündiges Sommercamp für insgesamt 17 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 17 Jahren.
Jugendwart Wilken Harf, der Vereinstrainer Christoph Semrau und Fabian Tinzmann (Mannschaftskollege von Christoph in der ersten Herren des TV Syke) hatten tolle Übungseinheiten vorbereitet. Spiel und Spaß standen im Vordergrund, aber auch praktische Tennisübungen kamen nicht zu kurz. Bei brütend heißen 34 Grad hatten alle Teilnehmer großen Spaß und freuten sich außerdem über die leckere und gesunde Erfrischung in Form von Obst und Gemüsesticks, vorbereitet vom Hof Holste. Es gab reichlich Wasser gegen den Durst und zur Abkühlung auch aus der Beregnungsanlage der Plätze. Zum Abschluss gab es für alle noch ein leckeres Eis und zur Erinnerung an diese tolle Veranstaltung auch noch eine Medaille.
Torsten Tobeck

Kein öffentlicher Badebetrieb


In der Saison 2020/21 wird es nach jetzigem Stand der Dinge keinen öffentlichen Badebetrieb im Hallenbad Martfeld geben. Das erklärte Nils Igwerks, der bei der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen unter anderem für die Bäder zuständig ist, auf Nachfrage. Der Aufwand, dass sich alle Badegäste vorab telefonisch anmelden, wäre zu groß gewesen, begründet er das Aussetzen der öffentlichen Badezeiten, zu denen auch das Frühschwimmen oder auch die Badezeit für Eltern mit kleineren Kindern zählen. Geöffnet ist das Hallenbad Martfeld aber für Aquafitness- und Babyschwimmkurse. Auch Schulen, Kindergärten und Vereine können das Bad in festen Gruppen nutzen. Ein Geburtstagsbaden ist ebenfalls nach Anmeldung möglich. Die Schwimmkurse finden ebenfalls statt, Für alle Aktivitäten gilt aber, dass weder die Duschen noch die Föhne benutzt werden dürfen.

Nach oben


Hauptpreis für die „Deutschstunde
Martha Huhnholt machte bei Filmprojekt mit

73.30

Im Bremer Film „Deutschkurs" hat jeder Akteur sich selbst gespielt. Auch Martha Huhnholt war dabei. Die 44-Jährige Martfelderin war - so wie im wahren Leben - eine Deutschlehrerin. Das Besondere: Der Streifen hat den Hauptpreis beim Deutschen Generationenfilmpreis gewonnen. Entstanden ist er im Rahmen der Flüchtlingsarbeit der Bremer St. Remberti-Gemeinde. „Rund zweieinhalb Jahre haben die Dreharbeiten gedauert", erinnert sich Martha Huhnholt. „In der Zeit haben die jungen Flüchtlinge, die im Film Deutsch lernen sollten, die Sprache auch tatsächlich gelernt", freut sie sich. Sie habe ihre Entwicklung gesehen, neue Menschen kennengelernt. „Das war ein tolles Abenteuer", sagt Martha Huhnholt über die Zusammenarbeit mit den jungen Flüchtlingen Ahmad, Shahrooz, Filmon, Viktor, Andjela und Sami, den anderen Akteuren und dem Regisseur Nehad Hussein.
„Der Film ist das Ergebnis eines beispielhaften Teamprojekts über eine Gruppe von Menschen, die viel zu wenig wahrgenommen werden", schreibt die Jury in ihrer Begründung. Denn der Film ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt von Flüchtlingen und Einheimischen. So hat es auch Martha Huhnholt empfunden. Im Herbst 2017 sei die Gruppe für eine Woche an die Ostsee gefahren, um dort die ersten Dreharbeiten zu machen und sich besser kennenzulernen. „Ich spiele die strenge Deutschlehrerin, ich bringe den Flüchtlingen im Film die Grammatik bei, merke aber gar nicht, dass sie mit ihren Gedanken ganz woanders sind und Sorgen und Probleme haben", skizziert Martha Huhnholt ihre Rolle.
Die letzte Szene spielt vor der Bremischen Bürgerschaft. Da ist auch Huhnholts Sohn Milosz mit von der Partie. „Wir haben mitgemacht, weil uns das viel Spaß gebracht hat", bilanziert die 44-jährige die Teilnahme an diesem ungewöhnlichen Filmprojekt. Dabei konnte jeder Akteur selbst entscheiden, welche Geschichte er im Film erzählt und sich überdies am Drehbuch beteiligen. 1.000,- € Preisgeld gewann das ungewöhnliche Team mit seiner „Deutschstunde". Das Geld erhält die Remberti-Gemeinde, die mit ihren Mitteln die Produktion des Films möglich machte.

Nach oben


Hülle wird abgebrochen
Altes Pastorenhaus soll am 25. November verrollt werden

73.29

Der Abbruch ist in vollem Gange: Um das alte Pastorenhaus von 1535 freizulegen und voraussichtlich am 25. November an seinen neuen Standort etwa einhundert Meter entfernt verrollen zu können, muss dessen Hülle verschwinden - und das ist ebenfalls ein denkmalgeschütztes Haus von 1764 und 1791, das seinerzeit um das Pastorenhaus herum gebaut wurde und die typische Proportion eines kleinen Niederdeutschen Hallenhauses in der Region hat. Bis zum 3. Oktober läuft der Abbruch der Außenhülle, um den sich ein Zimmereibetrieb kümmert.
Fein säuberlich werden alle Steine auf Paletten gestapelt. Wer sich für sie und das dazu gehörige Fachwerkgerüst interessiert, kann mit Tassilo Turner unter der Telefonnummer 04269/1512 Kontakt aufnehmen. „Die Dachkonstruktion hingegen gehört überwiegend zum Pastorenhaus", sagt Architekt Martin Tolksdorf. Rund 230 Quadratmeter Fachwerkwand mit Rotsteinmauerwerk sind am Haus zu finden; an der Scheune sind es etwa 100 Quadratmeter. „Unser Wunsch ist es, dass beide Gebäude nach Möglichkeit in der Region verbleiben", erklärt Martin Tolksdorf. Wer die besondere Hülle wieder aufbauen möchte, sollte aber bedenken, dass das Fachwerkgerüst in Teilen ergänzt werden muss. Ist das Haus einmal abgebaut, liegt das Alte Pastorenhaus frei, das Otto Homfeld, der erste lutherische Prediger Martfelds, einst für seine Familie im Pfarrgarten baute, um seiner Frau und den gemeinsamen Kindern auch nach seinem Tod eine sichere Unterkunft bieten zu können.
Die im Pastorenhaus fehlenden Ständer werden im Anschluss ergänzt, die ganze Konstruktion ausgesteift und stabilisiert, auf Rollen gesetzt und voraussichtlich mit einem dicken Seilzug an den wenige Hundert Meter entfernten, neuen Bestimmungsort verrollt. Bevor das geschehen kann, muss jedoch das äußere Gebäude weichen. In einem eigens zu diesem Zweck im Internet geschaffenen Blog berichten die Aktiven aktuell über den Fortgang ihrer Arbeit: https://www. pastorshus.de/

Nach oben


Immer für die Fahrgäste im Einsatz
Berit Kirschner ist stolz auf ihr engagiertes Team

73.28

Berit Kirschner (2.v.r.) mit ihrem Team
Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter, die immer zur Stelle sind - auch und besonders in der aktuellen Pandemie-Zeit", sagt Berit Kirschner. Der Inhaberin von Omnibus + Taxi W. Kirschner in Martfeld ist deshalb eines ganz besonders wichtig: „Ich möchte mich bei meinen Mitarbeitern bedanken, die auch in Krisenzeiten die Mobilität vor Ort gewähren - und das an 24 Stunden pro Tag und an sieben Tagen in der Woche", erklärt Berit Kirschner.
Auch für ihr Unternehmen brachte die Corona-Lage Veränderungen mit sich. So sind in den Taxis Fahrgäste und Fahrer nur noch mit Mund-Nasen-Schutz unterwegs. „Die Fahrgäste haben das gut angenommen. Genauso wie das Einhalten der Regelung, dass sie im Fahrzeug nur noch hinten sitzen können", hat sie festgestellt. „Die Patienten haben uns vertraut und wir vertrauen auch den Patienten, dass das alles reibungslos funktioniert", sagt Berit Kirschner über die Kranken-und Dialyse-Fahrten, die ihr Taxi-Unternehmen gewohnt zuverlässig organisiert. Dabei gilt für sie und ihre Mitarbeiter vor allem eine Maxime: „Der Kunde ist König." Auf den Linienverkehren, auf denen die Busse des Unternehmens wieder unterwegs sind, nimmt die Zahl der Fahrgäste derzeit nach und nach zu. „Es werden jetzt auch wieder mehr und mehr Schüler, die mitfahren", weiß Berit Kirschner. Für alle Fahrgäste gilt dabei eine Maskenpflicht, der Fahrer indes muss keine Maske tragen. „Außerdem dürfen derzeit vom Fahrer im Bus keine Fahrkarten verkauft werden", sagt Berit Kirschner. Der Dienstleistungsgedanke und die Zuverlässigkeit sind ihr wichtig, ganz gleich, ob im Busverkehr oder im Taxigewerbe. „Der Kunde soll immer das Gefühl haben, dass er bei uns in guten Händen ist", unterstreicht die Inhaberin. Sie engagiert sich für die Allgemeinheit, in dem sie für den Servicebus der G.d.S. Martfeld die notwendige Konzession bereitstellt und mit dem ehrenamtlichen Fahrerteam um Organisator Heiner Rahlmann stets kooperiert. „Pro Fahrt können wir fünf Gäste mitnehmen, die im Bus verteilt werden und einen Mund-Nase-Schutz tragen müssen." Gemeinsam mit Berit Kirschner solle für die Zukunft an Modellen gearbeitet werden, wie man die Versorgung der ländlichen Bevölkerung auch in solchen Krisenzeiten sicherstellen kann, beispielsweise durch eine Lieferung der benötigten Lebensmittel direkt an die Haustür. Das wäre auch jetzt schon machbar gewesen, erklären beide. „Aber unsere Fahrgäste haben sich anders beholfen, zum Beispiel mit Nachbarn oder Familienangehörigen", weiß Heiner Rahlmann.

Nach oben


Eine Party für die ganze Straße
DJ Werner Thier und seine Kollegen machten Musik

73.27

v.l. Felix Stein und Werner Thier
„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins ...". Wer sich der Martfelder Heidstraße an einem Samstag im August näherte, hörte die Musik schon von weitem. Werner Thier alias DJsmartfield hatte ein Gartenfest auf die Beine gestellt, bei dem viele Anwohner in ihren eigenen Garten feierten und von Thier und seinen Mitstreitern beschallt wurden - also eine Party, die komplett unter Wahrung aller geltenden Abstandsregeln stattfand.
„Wir sind Musiker und DJs, haben aber durch die Corona-Krise nicht viel zu tun", erzählte Werner Thier. Eigentlich wollte er seine Anlage aufs Dach stellen, um direkt in die umliegenden Gärten schauen zu können. Ein drohendes Gewitter ließ ihn seine Anlage aber lieber in der Gartenlaube aufbauen. „Wichtig ist, dass es allen Spaß macht", fand auch Felix Stein. Der Entertainer und Elvis-Interpret aus Hagen im Bremischen ist unter der Woche seit mehreren Jahren mit Werner Thier in Altenheimen unterwegs, um die Menschen zu unterhalten. „Das ist eine coole Geschichte, wenn dir da ein Lachen entgegen kommt", sagte Felix Stein. In dieser schwierigen Zeit will er gemeinsam mit Werner Thies Freude vermitteln.
Mit Musik aus den 1950er und 1960er Jahren begeistern sie die Menschen in den Heimen. Einer der größten Erfolge für sie war die Tatsache, dass eine Frau, die seit einem halben Jahr im Heim war und bis dahin nichts gesagt hatte, plötzlich eine Regung zeigte: „Sie hat ihr Besteck genommen und mitgemacht", freute sich Felix Stein. Mit entspannter Musik begann auch der Abend in der Heidstraße: „Wir machen das für unsere Nachbarn", erzählte Werner Thier, der 14 Tage vor dem Konzert alle Anwohner informierte. Und viele zogen mit, luden sich Besuch in den Garten und genossen beim Grillen, das ein anderer Nachbar zum Selbstkostenpreis auf Wunsch übernahm, die Musik. Neben Klängen aus der Konserve gehörten dazu nicht nur Auftritte von Felix Stein, sondern auch die ruhigen Klänge des Duos „Landbarde". Birger Tramm wohnt direkt neben Werner Thier - da lag das Mitmachen nahe. „Dieses Jahr ist auch bei uns sehr mau", sagten Tramm und sein Duo-Partner Norbert Teubner. Während sie im letzten Jahr auf Märkten, Geburtstagen und in Kirchen auftraten, fällt die Bilanz für 2020 ernüchternd aus: „Dieses Jahr ist gar nichts", erklärte Norbert Teubner. Weil sie gerne auftreten wollten, „haben wir sogar schon einmal in der Fußgängerzone in Nienburg Musik gemacht." Gemeinsam mit Birger Tramm hatte er deshalb umso mehr Freude daran, von dessen Terrasse aus mit feinen Klängen das Publikum zu unterhalten.

Nach oben


„Geht nicht, gibt's nicht”
P-M-T Oliver Krüger mit umfassendem Angebot

73.26

„Ich bin zu 100 Prozent stolz auf meine Jungs", sagt Oliver Krüger. „Sie waren alle bereit, ihren Urlaub zu verschieben, um unsere Kundenaufträge zu erfüllen", freut sich der Inhaber von P-M-T Oliver Krüger in Martfeld. Denn auch sein Unternehmen erwischte die Corona-Krise insofern, als dass Großbaustellen auf Eis gelegt wurden oder Material fehlte.
„Bei vielen Lieferanten war Stillstand angesagt", berichtet Krüger. Die Situation habe sich an dieser Stelle wieder normalisiert. Nun aber gehe es für Krüger und sein Team darum, alle Aufträge nach und nach abzuarbeiten. „Das funktioniert nur Stück für Stück", weiß der Firmenchef, der vor elf Jahren sein Unternehmen gründete. Der gelernte Bau- und Möbeltischler entwickelte seine Firma sukzessive weiter - und das auch und vor allem dank der Mannschaft, die er neben sich weiß: „Ich kann bei meiner Arbeit auf die starke Unterstützung meiner Frau Airin und auf meine Jungs zählen", erzählt Oliver Krüger.
Bereits 2010 kaufte er eine große Werkstatt und erweiterte sich räumlich. Denn das Angebot seiner Firma kommt an: „Das umfasst den Einbau von Fenstern, Türen und die Altbausanierung", nennt er einen Teil des Arbeitsspektrums des Profi-Montage-Teams (PMT) für Innenausbau. Außerdem gehören Dach- und Innenausbau, Bodenbeläge, Neubauten, Insektenschutz, Reparaturen und Montagen aller Art, Rollläden und Terrassen zum Leistungsportfolio. Eine besondere Herausforderung sind Sonderobjekte wie beispielsweise Einbaumöbel. „Das ist das Spannendste - vom Planungsgespräch über die Zeichnung bis zur Ausführung", berichtet der Firmenchef.
Wichtig ist es Oliver Krüger, seinen Kunden ein umfassendes Angebot anzubieten, zum Beispiel bei Komplett-Sanierungen. „Dann arbeiten wir auch mit anderen Gewerken zusammen und besonders gerne mit ortsansässigen Firmen." Das Einzugsgebiet des Unternehmens reicht rund 100 Kilometer rund um Martfeld. "Zu 70 Prozent arbeiten wir für Privatkunden", berichtet der Firmeninhaber. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit seinen Kunden macht ihm Freude. Ganz besonders, wenn sie von der Ausführung der Arbeiten so begeistert seien, dass sie ihn auch für weitere Bauprojekte erneut beauftragen. Hier freut er sich über einen direkten Austausch mit seinen Kunden - am liebsten am Telefon. „Das geht oft viel schneller und besser als per E-Mail", findet Krüger, der seinen Kunden bei all ihren Wünschen verspricht: „Geht nicht, gibt's nicht."

Nach oben


Ein Gedenkstein kehrt zurück
Historischer Grabstein auf dem Kirchplatz / Von Henns Harries

73.24

Vorder- und Rückseite des Grabsteins von Johann Winter. Der Stein ist jetzt auf dem Kirchplatz zu finden.
Nun ist er zurückgekehrt. Der Grabstein von Johann Winter aus Loge wurde wieder zum »alten Friedhof« bei der Martfelder Kirche gebracht. Dieser wurde bei dessen Einebnung 1901 auf den Hof Nr. 4 in Loge gebracht. Dort fristete er bis vor kurzem sein Dasein als Bestandteil der Hofpflasterung. Üblich war es früher in Martfeld, Holzbretter mit den Namen und Lebensdaten als Grabsteine aufzustellen. Steindenkmäler waren eher selten. Solche sind meist nur von den wohlhabenderen Familien auf den größeren Höfen aufgestellt worden.
Die Inschrift auf der Vorderseite des Steins lautet: »HIER RUHET IN GOTT DER EHR UND ACHTBAHRE JOHANN WINTER VON LOGE ER IST GEBOHREN ZU GAELSTO[RF] D. 9TEN JUL. 1738 MIT METTE ADELHEIT GB. BARCKMANS 1760 IN DEN EHESTAND GETRETEN WELCHE IHM IN DER EWIGKEIT VORGEGANGEN 17_ D. _ HAT ER GEEND[ ... ],. Der weitere Text ist wegen eines Abbruchs des unteren Drittels leider nicht mehr zu entziffern. Die mit _ markierten Textstellen wurden auf dem Grabstein nicht bearbeitet. Man hat ihr Todesdatum also nicht eingearbeitet. Auch sein Todestag ist auf dem Stein nicht zu ersehen bzw. es ist nicht ersichtlich, ob er im fehlenden Teil vermerkt wurde. Auf der Rückseite ist folgender Text zu lesen: »NIMM DANN 0 SCHÖPFER! MEINEN GEIST IN DEINE VATER HÄNDE WENN MEINES LEBEN BAND [ZERREISST] UND ICH DIE WALLFAHRT ENDE SO ZEIGE MIR IN DEINEM LICHT VON ANGESICHT ZU ANGESICHT DAS MEIN ERLÖSER LEBET. Dieser Text ist dem Gesangbuch von Johann Winter entnommen (Lied 927 Vers 6), welches sich noch heute im Besitz des Nachfahren Hartmut Bösche befindet. Der von Robert Söffker restaurierte Stein wurde von Hans-Heinrich Siemers zur Verfügung gestellt. Die Kosten wurden durch Sponsorengelder gedeckt. Der Platz auf dem Kirchenvorplatz wurde vom Kirchenvorstand ausgewiesen.
Begonnen hat die Familiengeschichte Winter in Loge am 28. November 1760. Johann Winter aus Gahlstorf ehelichte die Haustochter und Erbin der Eggekötnerstelle Nr. 4. Ein Sohn war ihnen vergönnt, bevor die Ehefrau bei dessen Geburtjung verstarb. Aus seinen beiden anderen Ehen hatte er noch sieben bzw. sechs Kinder, von denen bereits acht im Kindesalter starben. Während der Sohn aus erster Ehe - Friederich Winter (1764 -1829) - den elterlichen Hof übernahm, ist der Werdegang eines weiteren Sohnes interessanter. Johann Hinrich Winter (1776 -1859) war bis zu seiner Heirat 1803 Dragoner. Danach verdingte er seinen Unterhalt als Häusling in Loge. Hier gebar ihm seine Frau 1804 und 1805 zwei Kinder. Sein weiterer Aufenthalt für die nächsten knapp zehn Jahre ist nicht bekannt. Erst 1813 taucht er wieder in Schwarme auf.
Bei der Geburt einer Tochter im Oktober 1814 wird im Kirchenbuch von Schwarme vermerkt, dass er Husar in Brabant sei. Dort wird er als hannoverscher Soldat sicherlich für die Befriedung des Feindeslandes eingesetzt worden sein, denn der Krieg gegen Kaiser Napoleon I. war dort bereits beendet. Nach seiner Soldatenlaufbahn ließ er sich ab spätestens 1816 als Häusling in Schwarme nieder. Ob bei seinen Schwiegereltern auf dem dortigen Vollmeierhof Nr. 11 ist unklar. Warum er zwei Jahre später die Halbkötnerstelle Nr. 32 in Wechold von seinem verstorbenen Schwager übernahm, obwohl Kinder vorhanden waren, ist in keiner Akte verzeichnet. Hier verbrachte er mit seiner Familie acht Jahre, bevor er wieder nach Schwarme ging. Dort bekleidete er spätestens ab 1831 das Amt des Untervogtes und verrichtete damit ordnungsbehördliche Dienste. Wie lang er diesen Dienst ausübte, wissen wir leider nicht, aber 1859 verstarb er als pensionierter Untervogt bei seinem Schwiegersohn Wigger auf dem Brinksitz Nr. 62 in Winkel bei Intschede.
Doch zurück nach Loge. Dort florierten der Nachwuchs und die Familie begann sich auszuweiten. Während einige Söhne als Häuslinge oder spätere Anbauer im Geburtsort blieben, gingen andere nach Wahnebergen, Bremerhaven, Beppen, Dörverden oder Bücken. Die Bücker Winterstraße ist sicherlich nach einem Vertreter dieser Familie benannt. Aber nicht nur Straßen wurden nach diesem Geschlecht benannt, sondern auch ein ganzer Ort. Diedrich Heinrich Winter (1817 - 1891) und sein Vetter Johann Winter (1832 - 1886) aus Seitenlinien in Loge wanderten in den 1850er Jahre in die USA aus und strandeten in Six-Mile Station in Georgia. Hier gab es einen Bahnhof mit einem Depot für Holz und Wasser. Nachdem Diedrich Heinrich Winter dort Bahnvorsteher wurde, wurde der Ort in Winter's Station umbenannt. Als sein Vetter 1866 das Amt des Postmeisters antrat, bekam der Ort wiederum einen neuen Namen: Winterville. Dort befinden sich übrigens noch sämtliche Grabsteine der Familie Winter seit der ersten amerikanischen Generation.
Nachfolgend noch ein paar Martfelder Namen von einzelnen Nachfahren des Johann Winter, damit sie wissen, dass der Grabstein auch zu deren Familiengeschichte gehört:
Hans-Hermann Bösche, Marianne Endemann, Elke Knüppel, Uwe Endemann, Hans-Heinrich Siemers, Erdwig Holste, Henning Holste, Detlef Holste, Gerd Meyer, Elke Ellinghausen, Aenne Lackmann und Claudia Krause.

Nach oben


Die Schmiededynastie Hoppe
Der Versuch einer älteren Genealogie

73.22

Der Reiz der Familienforschung liegt nicht nur darin, vorhandene Akten oder Kirchenbucheinträge auszuwerten, sondern gerade für Zeiträume, in denen keine eindeutige Abstammung nachzuweisen ist, familiäre Verbindungen mittels Detektivarbeit zumindest plausibel zu vermuten. In der Hoffnung, die These später durch alte Schriftstücke beweisen zu können. So soll in diesem Artikel versucht werden, die einzelnen Schmiedemeister Hoppe im 17. Jahrhundert miteinander zuordnen zu können. Ich möchte darauf hinweisen, dass dies lediglich der Versuch ist, wie ein genealogischer Zusammenhang möglich sein könnte.
Auf dem Hof Nr. 37 in Martfeld (jetzt Westernheide 9) lebt noch heute die Familie Hoppe. Bekannt ist der Hof unter den Namen "Hoppen-Schmieds". Bereits daraus lässt sich eine bestimmte Berufsbezeichnung erkennen. Wir wissen nicht, ab wann hier eine Schmiede eingerichtet war. Doch wird es sicherlich nicht erst mit dem erstmals als Schmied bezeichneten Johan Hinrich Hoppe (1721-1789) geschehen sein.
Hier wollen wir mit Johann Hoppe beginnen, der ab 1637 auf diesem Hof erwähnt wird. Vermutlich wird er gegen 1610 geboren worden sein. Urkundlich nachweisbar ist er bis 1670/71. Der nachfolgende Johan Hoppe ist als Sohn beweisbar. Er lebte 1681 mit seiner Frau Cathrine und den Kindern Johann Heinrich, Heine, Gesche und Medge auf dem Hof.
1663 taucht ein Albert Hoppe als Schmied in Wechold auf dem dortigen Hof Nr. 84 auf. Er heiratete in jenem Jahr die Witwe des Schmieds Arend Schmett (hier ist der Name Programm). Dort wurden ihm auch die beiden Söhne Hinrich und Albert geboren. Ungefähr 1677 ging er auf die Eggekötnerstelle Nr. 32 in Eitzendorf. Seine Frau starb dort 1693, sein Todesjahr ist nicht bekannt. Vielleicht war Albert ein Sohn des ersten Johann Hoppe in Martfeld. Der Sohn Hinrich blieb als Schmied in Eitzendorf. Albert erlernte auch diesen Beruf und übernahm nach seiner Heirat mit Anna Cathrine Grafe aus Staffhorst - eine Witwe Volckman -1696 den Wecholder Brinksitz Nr. 75. Die Erbin Alheit, noch in Eitzendorf geboren, ehelichte später Johann Fridrich Wolters, der das Schmiedehandwerk auch ausübte.
Neben Johann Hoppe in Martfeld und Albert Hoppe in Wechold bzw. Eitzendorf könnte noch ein weiterer Schmied ein Sohn des ersten Martfelder Hoppes sein. Hinrich Hoppe, dessen Lebensdaten wir leider nicht kennen, übte diesen Beruf in Vilsen aus. In den 1680er und 1690er Jahren wurde er Vater mehrere Kinder. Erwähnt werden sollen hier die Söhne Jost und Albert (!). Jost Hoppe war Grob- und Kleinschmied in Vilsen und verlor seine Schmiede am 27. Januar 1725 bei einer Feuersbrunst in Vilsen, als siebzehn Wohnhäuser in Asche gelegt wurden. Er selbst starb an den Folgeschäden tags darauf. Er war der Stammvater der bekannten Kaufmannsfamilie Hoppe in Vilsen, aus der auch der berühmte Botaniker David Henrich Hoppe (1760-1846) in Regensburg stammte. Hierbei muss noch erwähnt werden, dass dieser - entgegen den Eintragungen im Internet - nicht das jüngste von sechzehn, sondern das jüngste von zehn Kindern war.
Josts jüngerer Bruder Albert (1682-1725) heiratete auf den Vollbrinksitz Nr. 24 in Uenzen und betrieb dort traditionsbewusst eine Schmiede, die noch zwei weitere Generationen vorhanden war. Einer seiner Enkel ging 1765 als Schmiedemeister nach Bücken (Bürgerstelle Nr. 9) und gründete dort eine weitere Seitenlinie von Schmiedemeistern. Zur besseren Übersicht habe ich noch eine kleine Stammtafel beigefügt. Ob sich meine Vermutungen als haltbar erweisen, wird die weitere Forschung zeigen.




Nach oben


K+K Physio mit starkem Team
Madeleine Niebuhr ist die neue Verstärkung

73.20

v.l lKatrin Lüth, Kerstin Wedemeyer u. Madeleine Niebuhr.
Das Team von K+K Physio in Martfeld hat Zuwachs bekommen: Seit Januar arbeitet Madeleine Niebuhr dort als Physiotherapeutin und komplettiert das Team.
„Im Juni habe ich eine berufsbegleitende Ausbildung zur Osteopathin begonnen", berichtet die 24-jährige Martfelderin. Ihre Chefinnen Kerstin Wedemeyer und Katrin Lüth freuen sich, so qualifizierte Unterstützung für ihre Mannschaft gewonnen zu haben. Sie bieten in acht individuell ausgestatteten Behandlungsräumen ausreichend Platz für ihre Patienten und deren Behandlung. Die beiden Inhaberinnen unterstreichen, dass sie neben dem klassischen Leistungsspektrum auch besondere Dienstleistungen anbieten. „Wir sind ausgebildete Schwindel- und Vestibular-Therapeuten", berichtet Katrin Lüth. Bei etwa 50 Prozent der Schwindel-Patienten würden die Symptome durch eine Störung des Vestibularorgans im Innenohr verursacht. „Häufig wird dieser vestibuläre Schwindel übersehen und der Halswirbelsäule zugeschrieben", sagen die beiden Expertinnen. Damit es zu keinen bleibenden Schäden komme, sei es wichtig, bei allen vestibulären und damit vom Innenohr ausgehenden Erkrankungen eine schnelle Rehabilitation zu beginnen. „Die wird bei uns in der Praxis ausgeführt, auch mit gezielten Übungen für zuhause", unterstreicht Katrin Lüth.
Ein weiteres, besonderes Steckenpferd der Martfelder Physiotherapie-Praxis sind Bobath-Therapien für Kinder und Erwachsene. Mit diesem Behandlungskonzept können Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen aufgrund neurologischer Funktionsstörungen behandelt werden - und das sogar mit tierischer Unterstützung. Denn Sabine Esdohr, eine der Therapeutinnen im Team, bringt zur Arbeit ihren Hund „Juice" mit. Der Border Collie unterstützt sie bei der Arbeit: „Wenn Kinder verschlossen sind, hilft der Hund dabei, dass sie sich öffnen", erläutert Sabine Esdohr. Hunde hätten eine angenehme Wirkung auf den Körper, sie sorgten für Unterhaltung und Abwechslung und lenkten von Wut, Zorn, Ärger und Trauer ab. Neben Sabine Esdohr ist auch Gloria Kracke Bobath-Therapeutin im Team von K+K Physio. Beide helfen bei Entwicklungs-, Symmetrie- und Haltungsstörungen. Bobath-Therapien werden zum Beispiel bei Frühgeborenen und Mehrlingen angewandt oder bei Kindern, die zum Zehenspitzengang neigen. Aber auch bei orthopädischen Krankheitsbildern wie Fußfehlstellungen, einem Schiefhals (dem sogenannten KISS-Syndrom) und einer asymmetrischen Abflachung des Hinterkopfes sei eine Bobath-Therapie das Mittel der Wahl. Daneben bietet das motivierte Therapeuten-Team in seinen frisch renovierten Räumlichkeiten ein umfassendes Leistungsspektrum an: Krankengymnastik und manuelle Therapie, Massagen, Faszientherapie, Fango, Heißluft, Eisbehandlung, Kinesiotaping, manuelle Lymphdrainage, Schlingentisch- Therapie, Beckenboden- sowie Kiefergelenksbehandlung.

Nach oben


Hütte54 feiert 30-jähriges Bestehen
Fußball ist die gemeinsame Leidenschaft

73.18

Die Geburtsstunde der Hütte54 war das Auftaktspiel der deutschen Fußballnationaimannschaft bei der Weltmeisterschaft in Italien am 10.06.1990 gegen Jugoslawien.
Sechs Freunde treffen sich, um dieses Spiel gemeinsam vor dem Fernseher zu verfolgen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören: Detlef Holste, Jens Wicke, Torsten Kirstein, Ralph Koppe, Ralf Ohlendorf und Torsten Tobeck. Das Gartenhaus bei Koppes auf dem Stühr war das erste Domizil. Die Mutter von Ralph (der leider viel zu früh verstorben ist) sorgte für eine stets saubere Vorbereitung der Fußballabende. Sicherlich haben diese sechs Fußballfans auch großen Anteil am weiteren sehr positiven Verlauf der Weltmeisterschaft. Sie fieberten bei den Spielen so richtig mit und trugen die Mannschaft von Sieg zu Sieg; bis zum Weltmeistertitel. So wie viele Millionen andere Fußballfans in Deutschland.
Die Freunde beschlossen, nun regelmäßig gemeinsam Fußball zu schauen, und somit war die Hütte54 geboren! Übrigens, der Name Hütte54 erinnert an den ersten Weltmeistertitel der deutschen Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Das erste Trikot der Hüttenmitglieder war schnell auserkoren: das legendäre 54er Trikot! Während der 30-jährigen Hüttengeschichte wurde dann noch insgesamt dreimal das Domizil geändert. Zunächst ging es auf den Hof Holste in die dortige Garage (heute sind dort die Gäste-Toiletten), weiter in den Rohbau des Hauses von Torsten Kirstein und dann in das Gartenhaus von Holstes. Dort ist die Hütte54 von 2004 an bis heute beheimatet. Das mit reichlich Fanartikeln ausgestattete Haus wird sehr regelmäßig von den Hüttenmitgliedern bevölkert. Zu den Gründungsmitgliedern gesellten sich so nach und nach weitere Fußballfreunde. Eine Aufnahme in den edlen Kreis erreichten nach intensiver Prüfung dann noch Michael Gläser, Gerd Uwe Meyer, Thorsten Brandt und Enno Siebs. Gemeinsam werden Spiele der Bundesliga und natürlich auch der Nationalmannschaft verfolgt. Diverse Europapokalabende vervollständigen die Liste der Events. Wie es sich für einen richtigen „Verein" gehört, haben die einzelnen Mitglieder wichtige Posten inne. Neben dem ersten und zweiten Vorsitzenden gibt es einen Geschäftsführer, einen Schriftführer, einen Kassenwart, einen Hütten- und Getränkewart, einen Eventmanager, einen Sportbeauftragten und auch einen Frauenbeauftragten.
Bei der Jahreshauptversammlung werden alle wichtigen Dinge besprochen und es finden auch die Wahlen statt. Neben den Hüttenbesuchen unternehmen die Mitglieder Reisen in die Fußballstadien Deutschlands. Das Ausland war bisher erst einmal Ziel: Mailand.

Tennis-Turnier der Hütte54
Duo Holste/Kirstein siegreich

73.19

Am Samstag, 25. Juli, fanden nun zum wiederholten Mal die Hütte54-Open statt! Die Hütte54 ist eigentlich seit nunmehr 30 Jahren ein Fußball-Fernseh-Club, aber alle Mitglieder sind auch in der Sparte Tennis des TSV Martfeld aktiv. Insgesamt acht Teilnehmer hatten für diesen Wettbewerb gemeldet und konnten auch teilnehmen; leider gab es krankheits- bzw. verletzungsbedingt zwei Absagen. Zwei Hüttenmitglieder zogen eine ausgiebige Watt- wanderung vor; wussten sie vorher bereits von ihrer evtl. Chancenlosigkeit bei diesem hochkarätig besetzten Turnier? Selbstverständlich wurde dieses Turnier unter Berücksichtigung der geltenden Hygieneregeln durchgeführt.
Die Leitung der Sparte Tennis bedankte sich hierfür persönlich bei den Organisatoren und Teilnehmern. Platzwart Michael Gläser sorgte wie immer für hervorragende Platzverhältnisse. Nach der Auslosung der Teams starteten dann auch gleich die ersten Matches. Lediglich eine kleine Regenunterbrechung mussten die Spieler überstehen. Der Spielmodus lautete „Jeder gegen Jeden", und es wurde jeweils ein Langsatz bis Neun gespielt. Es entwickelten sich vor den Augen einiger Zuschauer sehr spannende und absolut ausgeglichene Spiele.
Das Duo Detlef Holste und Torsten Kirstein zeigte sich am besten eingespielt. Sie gewannen alle drei Spiele und sicherten sich somit unangefochten den Turniersieg. Platz zwei ging nach zwei Siegen und einer Niederlage an das „Werder-Duo" Dieter Hustedt und Jens Wicke. Rolf Bröer und Torsten Tobeck konnten ein Spiel gewinnen und landeten somit auf Platz Drei. Komplett sieglos (aber trotzdem bester Laune) blieben leider Ralf Ohlendorf und Thorsten Schlake; somit Platz vier. Bei der anschließenden Siegerehrung nahmen alle beteiligten Teams einen Pokal in Empfang. Ein gemütliches Beisammensein rundete die Veranstaltung ab.

Nach oben


Eine Woche voller Sport
Ferienaktion für Martfelder und Schwarmer Kids

73.17

v.l. Britta Sandner und Beate Torst (beide aus Martfeld)
Merle Hüneke und Claudine Laake vom TSV Schwarme
Vom 20. bis 24. Juli fanden die Sportferien in Schwarme statt. In dieser Woche der Ferien kamen die Kids mit Freude zur Grundschule Schwarme, weil sie wussten, es wird nur Sport gemacht.
Anmelden konnten sich alle Grundschüler der Grundschule Martfeld und Schwarme über die Schulen. In Kooperation mit der Samtge- meinde begleiteten zwei Erzieherinnen die Veranstaltung. Wie auch im vergangenen Jahr waren es Britta Sandner und Beate Torst. Die sportliche Gestaltung übernahm der TSV Schwarme. Aus dessen Jugend konnten Merle Hüneke und Claudine Laake für die Sportferien als Betreuerinnen begeistert werden. Beide sind seit frühester Jugend beim TSV Schwarme und spielen aktiv Handball und Claudine auch zusätzlich Fußball.
In der ersten vollen Ferienwoche wurden in diesem Jahr zum dritten Mal Sportferien angeboten. Jeder Wochentag wurde einer Sparte zugeordnet. Am Montag zeigten Anton Bartling und Melvin Kohlhoff-Meyer den Kids für 1-1,5 Stunden den Ausdauersport. Es wurde ein Parcours aufgebaut, und den Kids machte es sehr viel Spaß zu klettern und zu laufen. Am Dienstag war Ina Licht mit Gymnastik da und zeigte den Kids mit Spielen und Turnübungen den Spaß am Sport. Am Mittwoch war das Wetter so gut, dass kurzerhand der ganze Vormittag draußen stattfand. Erst mal zum Warmwerden eine Runde Laufen um den Sportplatz. Wasserspiele und Ballonspiele waren der Renner.
Mit Fußball heizte Jost Witte den Kids auf dem Platz ein. Die Freude am Fußball steckte alle an. Besonders machte es den Kids Spaß, gegen Jost, Merle und Claudine zu spielen. Donnerstag war Handball mit Dörthe Schröder dran. Mit Spielen und Wurfübungen war das Programm ausreichend gefüllt für die Grundschulkinder. Am Freitag kam mit Tischtennis Ralf Poyda und zeigte, wie man den Ball auf den Tisch bekommt. Zum Schluss haben sich die Betreuerinnen noch was Besonderes ausgedacht. Die Kids durften mit Wasserbomben Claudine und Merle auf den Sportplatz bewerfen. „Wir haben bei allen Aktivitäten auf die Corona Regeln geachtet. Wir haben lange überlegt, ob wir die Sportwoche ausfallen lassen. Wir haben uns für die Sportferien entschieden, um einen Betrag für unsere Gesellschaft auch in schwierigen Zeiten zu leisten und die Eltern zu entlasten", sagen die Organisatoren. Die Kids waren von 7.30 Uhr bis 13 Uhr in Betreuung. Ein Mittagessen gab es in der Schule über die Samtgemeinde. „In ähnlicher Form haben wir bereits Nachahmer bekommen, die TSG Bruchhausen bietet Tanzferien an. Wir freuen uns sehr, dass die Sportferien so gut angenommen werden, und möchten sie im nächsten Jahr wieder anbieten. Wir danken der Samtgemeinde für die gute Zusammenarbeit, der Gemeinde Schwarme und Martfeld für die finanzielle Unterstützung und Merle und Claudine für ihre tollen Ideen in dieser Sportwoche", sagen die Organisatoren.

Nach oben


Grundschule wieder eigenständig
Die Zusammenlegung mit der Grundschule Schwarme wurde jetzt aufgehoben

73.16

Ab sofort sind die Grundschulen Schwarme und Martfeld wieder eigenständig. Mit dem Start in das neue Schuljahr endet damit die Zusammenlegung beider Schulen, die im Schuljahr 2013/2014 vollzogen wurde.
"Damals war die Schulleiterstelle in Martfeld seit Herbst 2011 nicht besetzt", erinnert sich Cattrin Siemers, Fachbereichsleiterin Bildung bei der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Daraufhin entschied man sich, beide Schulen zusammen zu legen. Als die damalige Schwarmer Grundschulleiterin Christine Grimpe bis zu ihrem Renteneintritt am 31. Juli 2015 den Hut für beide Standorte aufsetzte, habe man sich durch ein größeres Kollegium und den Austausch untereinander Synergien erhofft. Martfeld wurde fortan als Außenstelle geführt. Solch ein Konstrukt sei immer eine Ausnahme und zeitlich befristet, unterstreicht Cattrin Siemers.
Zunächst sei eine Genehmigung für fünf, dann eine weitere für drei Jahre erfolgt. Seit dem Ausscheiden der letzten Schulleiterin im April 2019 wurden beide Standorte kommissarisch geleitet. Der Wunsch nach dem Wiederaufleben der Eigenständigkeit beider Schulen wurde schließlich an die Samtgemeinde herangetragen. Die Lehrkräfte müssten zu viel zwischen den Standorten pendeln, der Abstimmungsbedarf sei hoch, führt Cattrin Siemers Gründe an, die für eine Trennung der Schulstandorte sprachen. Aber auch die Schülerzahlen in Schwarme und Martfeld wachsen deutlich. „Da ist es gut, dass die jeweiligen Schulleiter als Ansprechpartner immer vor Ort sind", sagt Cattrin Siemers.
Ausschlaggebend war aber vermutlich, dass es erstmals an beiden Standorten wieder potenzielle Schulleiterinnen gibt. Potenziell: Denn die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen ist zwar der Schulträger für das Gelände und die sachliche Ausstattung der Schulen. Um das Personal kümmert sich jedoch die Landesschulbehörde. Bis dato sei das Besetzungsverfahren laut Cattrin Siemers noch nicht abgeschlossen. Bis dahin übernehmen die kommissarischen Schulleiterinnen Daniela Bethmann in Schwarme und Ines Akinyemi-Kohlmann in Martfeld die Führung der beiden Einrichtungen. Dass sie wieder eigenständig sind, dokumentieren beide Schulen auch nach außen: durch neue Logos.

Nach oben


Buntes Miteinander mitten im Ort
Rennig Söffker und sein Agroforst-Projekt

73.14

Rennig Söffker
Wer mit Rennig Söffker auf das Feld hinter seinem Haus in Martfelds Mitte geht, erlebt die Natur in all ihrer Vielfalt. „Hier wachsen Äpfel, Birnen, Mirabellen, Reneclauden, Pflaumen und Walnüsse", zählt er nur einen Teil der Baumsorten auf, die auf seinem Naturland zertifizierten Acker stehen.
Vor etwa zwei Jahren startete der Landwirt auf rund zwei Hektar Fläche sein ganz persönliches Agroforst-Projekt, um sich noch intensiver mit dem Boden und seinen Eigenschaften zu beschäftigen. Dabei werden Gehölze mit Ackerkulturen und Tierhaltung kombiniert, so dass sie gegenseitig von ihren Wechselwirkungen profitieren. Erlen, Mispeln, Feigen, Sanddorn, Aronia oder auch Erbsen zum Stickstoff-Sammeln gehören ebenso zu dem bunten Reigen, der sich auf der Fläche zwischen Kirche und Mühle entfaltet, wie Goji-Beeren, Himbeeren, Blaubeeren oder auch Honigbeeren.
Hier experimentiert der Landwirt mit unterschiedlichen Pflanzen und setzt dabei auf die Nährstoffe, die im Boden sitzen. „Der Beinwelt zeichnet sich dadurch aus, dass er sich selbst Nährstoffe wie Phosphor und Kali aus dem Boden erschließen und nutzbar machen kann", nennt Rennig Söffker ein Beispiel für eine Pflanze, die auf seinem Agroforst-Acker wächst. Jede Pflanze funktioniere in Verbindung mit einer anderen, sagt er. Wichtig seien dabei auch Mykorrhizapilze. Sie bilden eine Symbiose mit Pflanzen, sozusagen ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Pilze lösen Mineralstoffe und Wasser aus dem Boden und versorgen damit die Pflanzen. Diese wiederum profitieren von der Energie, die sie aus der Photosynthese der Pflanzen erhalten.
„Welche Vorfrucht nimmt man, um Mykorrhizapilze vorzuzüchten, von deren Energie die Hauptfrucht dann profitieren kann?" Das ist nur eine der Fragen, die Rennig Söffker beim Anbau auf seinem Feld umtreibt. Ob selbst gezogener Trompetenbaum, vier verschiedene Sorten Hopfen oder Mini-Kiwis: Die Vielfalt ist groß. „Was gut wächst, werde ich weiter vermehren", sagt der Landwirt. Das Grün der Kartoffeln hat er rechtzeitig abgeschlegelt, die Erdäpfel aber noch in der Erde belassen. „Dann kann die Schale noch fester werden", sagt der Landwirt, der auf seinem Agroforst-Acker selbst auf den Einsatz der Düngemittel verzichtet, die er als ökologisch wirtschaftender Betrieb eigentlich einsetzen dürfte. Einzig die zwei Dutzend Gänse, die hier unterwegs sind, sorgen für Naturdünger. Insgesamt hat er auf seinem Acker rund 1.600 Bäume und Sträucher gepflanzt. Dazwischen wächst Gemüse in einer ausgeklügelten Fruchtfolge: Nach den Kartoffeln kommt Gemüse. „Dann düngen die Gänse den Boden", sagt Söffker. Anschließend folge ein Zwischenfrucht drauf, dann wieder Kartoffeln und im Anschluss Gemüse. Derweil wachsen im Gewächshaus Tomaten, Salbei oder Melone. „Außerdem haben wir mehrere Blühstreifen mit Buchweizen, Phacelia und auch Sonnenblumen angelegt", erzählt der Landwirt.

Nach oben


Altes Martfeld: Teil II
Auf den Spuren der Vergangenheit

73.8

Eine Arbeitsgruppe des Heimat- und Verschönerungsvereins Martfeld (HVV Martfeld) hat in den letzten Jahren zwei Dorfführungen erarbeitet: „Unbekanntes Martfeld" und „Altes Martfeld". Beide Führungen werden in der „Martfeld Live" vorgestellt. „Unbekanntes Martfeld" ist bereits in früheren Ausgaben erschienen. In dieser Ausgabe folgt der zweite Teil der Führung „Altes Martfeld". Die jeweiligen Stationen des Spazier¬gangs sind als Orientierungshilfe im Ortsplan von Martfeld vermerkt.






Station 9: Bäckerei Köster
Am 31.5.2003 schloss in der Westernheide 20 die letzte Familien- bäckerei Martfelds. Der Traditionsbetrieb Köster startete 1857, als Hermann Heinrich Brüne Köster, der vom Hof Nr. 2 in Martfeld stammte, den Großbrinksitz Nr. 45 von Bäcker Carl Julius Berg kaufte. Mit seiner Ehefrau, gebürtig aus einer Bäckerfamilie in Brinkum, und seinem Sohn führte er das Geschäft weiter. Dessen Enkel Willy Heinrich Köster übernahm die Bäckerei dann als die inzwischen vierte Generation bis zu seinem Tod 2003. Willy Köster hatte 1959 mit 19 Jahren die Gesellenprüfung abgelegt, benötigte deshalb eine Sondergenehmigung zum Betrieb der Bäckerei, bis er 1962 seine Meisterprüfung in der Abendschule neben der Arbeit in der Bäckerei bestand und damit mit 21 Jahren als jüngster Bäckermeister der Region galt.
Der Haupterwerb der Generationen vor Willy Köster war die Landwirtschaft. Zeugnis darüber geben die jetzigen Garagen, die zuvor Stallungen waren. Willys Großvater Wilhelm bevorzugte die körperliche Arbeit auf dem Acker und im Stall. Ab ca. 1969 wurde die Tradition, nur mit dem Mehl der Martfelder zu backen, aufgegeben, da es immer wieder wegen des dafür zu entrichtenden Backgeldes Streit mit den Bauern gab und die Mehlqualität sich als ungenügend für Backwaren herausstellte. Nun bezog die Bäckerei Köster ihr Mehl von den großen Mühlenbetrieben. Der Verkaufsladen, wie er vielen in Erinnerung ist, entstand erst nach dem Krieg, 1968 erfolgte eine komplette Erneuerung der Backstube sowie in den folgenden Jahren immer wieder Investitionen in neuere und größere Maschinen. Bis in die 1970er Jahre hinein wurde ausschließlich Brot gebacken, doch dann auch Kuchen, Torten und sonstiges Gebäck, das zusätzlich mit einem Bäckerwagen zu den Kunden gebracht wurde. Bei diesem Pensum war Urlaub nicht drin! Erst 1970 machten Willy Köster und seine Frau Erika, geborene Soller, den ersten Urlaub für eine Woche!
Die Kunden waren das gar nicht gewöhnt. Das Gebäude ist über 100 Jahre alt. Das alte Haus ist beim großen Brand (15. April 1881) in Martfeld abgebrannt, der Schutt wurde in die Ruine geschmissen, deshalb liegt das jetzige Haus höher. Es ist unterkellert, Die Backstube befand sich teilweise im Keller mit einem Backofen mit Kohleheizung (Ende 1800, Anfang 1900). Anfang der 1970er Jahre sollte das Haus unter Denkmalschutz gestellt werden. Dies hat die Familie Köster abgelehnt, da dann keinerlei Änderungen möglich gewesen wären, zum Beispiel der Bau des Eingangs zur Bäckerei und des großen Fensters zur Straßenseite. In diesem traditionsreichen Unternehmen entstanden heute geläufige „Neuerungen": z.B. wurden schon damals Brote ohne jegliche Zusätze gebacken, auf besonderen Wunsch auch spezielle Brote für Diabetiker oder Allergiker. Es gab hier zuerst die Partybrötchen und Brotkörbe. Eine weitere Idee der Bäckerei Köster war die Herstellung von Eisbomben.

Station 10: Thölke / Gruß
1885 eröffnete Matthias Thölke in der Westernheide im Haus Nr. 17 den ersten Laden mit Verkauf von Düngemitteln, Saatgut und Kohle. Von 1924 bis 1974 übernahm Fritz Thölke den Laden mit einem reichhaltigeren Angebot, zum Beispiel mit dem Verkauf von „Pött und Pann", von Stoffen und Nähmaterial sowie Lebensmitteln. Bei Kindern besonders beliebt waren Süßwaren, da sich direkt gegenüber vom Laden die Schule befand. Im gleichen Haus auf der rechten Seite befand sich eine Heißmangel, die von 1930 bis 1960 von Bertha Thölke betrieben wurde. 1960 bis 1975 übernahm eine Verwandte, nämlich Margarete Thölke, diese Aufgabe.
1946 eröffneten Helga und Emil Gruß in einer Baracke eine Wäscherei und betrieben sie bis 1964. 1950 bauten sie ihr festes Haus, worin sie bis 1964 lebten. Nachdem Willi Soller, der Vater von Helga Gruß, verstorben war, übernahmen sie dann die Gaststätte Soller in Martfeld, Hauptstraße 1.

Station 11: Gemeindeverwaltung, Schule, Kindergarten, Turnhalle, Schwimmbad Gemeindeverwaltung.
1956 bezog die Gemeindeverwaltung Räume in der neu gebauten Schule (vorher befand sich die Verwaltung im Hause des jeweiligen Bürgermeisters). 1964 zog sie in das Gebäude der heutigen Kreissparkasse um. Dort blieb sie bis zur Gemeindereform 1974. Seitdem erfolgt die Verwaltung der neuen Samtgemeinde dann von Bruchhausen-Vilsen aus.

Schule:
Bis 1956 gab es in Martfeld drei Schulen und aufgrund vieler Flüchtlinge mussten nach dem Zweiten Weltkrieg zusätzlich noch Räume angemietet werden (zum Beispiel im Gasthaus Dunekack). Der Martfelder Gemeinderat fasste daraufhin den Beschluss zum Neubau eines Schulzentrums, dessen Einweihung 1956 erfolgte. Nach der Kreis-und Gemeindereform 1974 wurden die Klassen 5-9 nach Bruchhausen-Vilsen ausgegliedert. Die entstandenen Leerstände konnten 1991 dadurch beseitigt werden, dass der Spielkreis Hustedt trotz erheblichen Widerstandes nach Martfeld verlegt wurde. Gleichzeitig erfolgte die Umwandlung des Spielkreises in einen Kindergarten. Durch den Zuzug von Neubürgern fehlten bald wieder Schulräume, so dass der Anbau zweier Klassen notwendig wurde.

Kindergarten:
Aufgrund des gesetzlichen Anspruchs aller Dreijährigen auf einen Kindergartenplatz wurden zusätzliche Räume benötigt und man mietete für acht Jahre Räume beim Seniorenheim Martfeld an. Nach Ablauf dieser Zeit sollte eine weitere sogenannte Krippengruppe gebildet werden. Da die Eltern zunehmend längere Betreuungszeiten erwarten und durch die weiterhin rege Bautätigkeit wurde der Bau eines neuen Kindergartens erforderlich. Dieser Neubau wurde 2018 neben dem Seniorenheim eingeweiht, ist aber seit Herbst 2019 auch schon wieder zu klein.

Turnhalle und Schwimmbad:
Ursprünglich planten Martfeld und Schwarme ein gemeinsames Freibad an der „weißen Brücke" (Gemeindegrenze an der L331 von Martfeld nach Schwarme). Die beiden Gemeinden konnten sich aber nicht einigen, ob das Bad auf Martfelder oder Schwarmer Seite gebaut werden sollte. Daraufhin plante Martfeld den Bau eines eigenen Lehrschwimmbeckens mit einem Hubboden für den es höhere Zuschüsse gab, so dass für Martfeld insgesamt geringere Gesamtkosten entstehen würden. Außerdem wurde eine Turnhalle geplant, um die Heizung und die Umkleidekabinen für beide Einrichtungen nutzen zu können. Die Einweihung der beiden Hallen erfolgte 1972. Schon 1983 musste das Turnhallendach für 800.000 DM erneuert werden. Auch das Schwimmbad erforderte Mitte der 1980er Jahre hohe Reparaturkosten (560.000 DM). Daraufhin beschloss der Samtgemeindeausschuss die Schließung des Hallenbades. Dank des besonderen Einsatzes der Ratsmitglieder Freese, Lackmann und Elle konnte das verhindert werden.
Auch in der Folgezeit gab es immer wieder Querelen innerhalb der Samtgemeinde wegen hoher Kosten des Martfelder Hallenbades. Erst die Gründung eines „Fördervereins Hallenbad" und eine gründliche Renovierung des Bades unter dem sehr engagierten 1. Vorsitzenden Herbert Wulf, sowie die Deckelung des jährlichen Zuschusses durch die Samtgemeinde für die Betriebskosten des Bades auf 40.000,- € brachte Ruhe in diese Angelegenheit.

Station 12: Bäckerei Knirsch
Von 1912 - 1973 befand sich in dem Gebäude Hauptstraße 35 die Bäckerei Knirsch. Der letzte Inhaber Karl Heinz Knirsch gab 1973 das Geschäft auf und arbeitete als Auslieferungsfahrer bei der Firma Bäko - einer Bäckerei-Einkaufsfirma.

Station 13: Greilich und Drogerie
In Gebäude nebenan befanden sich in der Nachkriegszeit zwei Geschäfte: links das Obst- und Gemüsegeschäft der Familie Greilich. Frisches Obst und Gemüse wurde ihnen überwiegend von Bauern und Gartenbesitzern aus Martfeld und Umgebung gebracht, der Rest stammte vom Großmarkt in Bremen. Auf der rechten Seite des Gebäudes befand sich eine Drogerie, die von der Frau des damaligen Gemeindedirektors Fritz Twele geführt wurde. 1990 übernahm die Familie Kindt beide Läden, betrieb einen Buchhandel und bot auch Geschenkartikel an. Außerdem konnten Kinder ihre benötigten Schulbücher dort bestellen. Im Jahre 2000 übernahm ihr Schwiegersohn, Herr von Hollen, nur die linke Hälfte des Ladens und nutzte ihn überwiegend als Lotto Annahmestelle und für den Verkauf von Zeitschriften und Grußkarten. 2020 wurde auch dieses Geschäft geschlossen. Die Reklame, das Schaufenster sowie die Ladentür wurden entfernt. Somit ist nicht mehr zu erkennen, dass sich hier einmal ein Ladengeschäft befunden hat.

Station 14: Masemann (Getränkemarkt: Bernd Masemann. Blumen: Ingrid Masemann)
Begonnen hatte der Urgroßvater mit einer Schlachterei nebst kleinem Ladengeschäft. Als der Schwiegersohn, ein gelernter Gärtner, ins Haus kam, wurde alles auf Gartenbau umgestellt. 1931 wurde zusätzlich eine Mosterei gegründet und nach und nach zu einem Getränkemarkt ausgebaut. Weithin bekannt waren die verschiedenen Säfte, die in der eigenen Mosterei hergestellt wurden. Das dazu benötigte Obst kam nicht nur von der Martfelder Bevölkerung, sondern wurde aus der ganzen Umgebung angeliefert.
Ab dem Jahr 2000 wurde das Obst zwar noch in Martfeld angenommen und gemostet, die Abfüllung in Flaschen erfolgte aber in Leopoldshöhe (bei Bielefeld). Die Saftmosterei ist im Oktober 2017 dann vollständig eingestellt worden. Nach dem Tod des letzten Besitzers Cord Masemann wurde der Geschäftsbetrieb im Martfelder Ortskern Ende 2019 eingestellt. Der Sohn Bernd Masemann plant aber, den Getränkehandel an einem neuen Standort in Büngelshausen weiterzuführen. Auch der Geschäftszweig „Saft und Selters" (ein Getränkelieferdienst, der auch die Bremer Uni beliefert) soll weiterlaufen.

Station 15: Friseur Rex
Im Gebäude an der Hauptstr. 41 in Martfeld befand sich ursprünglich eine Arztpraxis in einem einfachen Fachwerkbau. 1957 kaufte der Vater von Willi Herrmann dieses Haus und verwandelte es in mühsamer Eigenleistung in einen Steinbau. Am 7.8.1959 konnte dann der erste Haarschnitt in dem renovierten Gebäude erfolgen, für 2,75 DM!
Gearbeitet wurde von 7.00 Uhr bis 23.00 Uhr, samstags auch bis 2.00 Uhr nachts, da die Bauern tagsüber keine Zeit hatten, zum Friseur zu gehen! Sonntags wurden von 10.00 bis 11.30 Uhr die Bärte gestutzt und der Nacken ausgeputzt, daher stammt der Spitzname von Willi Herrmann „Putzer Willi". Gewartet haben die Kunden im Gasthaus Dunekack bei Bier und Kartenspiel. Derjenige, der fertig frisiert war, hat dem nächsten Bescheid gegeben. Der letzte Kunde brachte zwei Flaschen Bier mit, eine für Willi, die dieser jedoch - weil er den ganzen Tag über nicht viel gegessen hatte - nicht getrunken hat, weil er sonst gleich „betrunken" gewesen wäre.
1971 wurde das Geschäft vom Ehepaar Rex übernommen, da Willi aufgrund einer schweren Allergie nicht mehr als Friseur arbeiten konnte. Der Ursprung dieses Friseurgeschäftes lag in einer jetzt abgerissenen Fachwerk-Durchfahrt-Scheune an der Verdener Str. auf dem Areal des ehemaligen Hofes von Hollen/Kirstein. Der Vater von Putzer Willi - geboren in Süddeutschland - wollte von Ulm an die See und hat aus 14 Angeboten dasjenige ausgesucht, das in Bremen lag - in dem Glauben, er wäre dann am Meer! Er ist eine Zeit lang als Friseur auf einem Kreuzfahrtschiff angestellt gewesen. Von Bremen aus ist er in diese einfache, zugige Scheune mit Wohnung gezogen: Getreidegarben dienten der Isolierung. Ein einquartierter Franzose kam mit der Bemerkung: „Auf Schrank gestanden!" zu Willis Eltern. Er war beim Dreschen durch die dünne Decke gebrochen. Willis Vater musste beim Fensterputzen mit dem Besen das Fenster von außen gegenhalten, damit es bei der Prozedur nicht herausfiel. Das viele Getreide und die Ritzen waren ein Eldorado für Mäuse und Ratten. Willi, der von 1934 bis 1959 dort lebte, hat sie zum Teil mit der Hand gefangen, später halfen zwei Katzen. Die Mäuse haben u.a. die „Knöpfe" der Matratzen aufgefressen.
Wilfried Nordbruch, Dr. Rainer Paape, Ute Rutkowski-Paape, Anneliese Schlake und Krimhild Wulf/p>

Nach oben


Martfelder Mause im Gemeindehaus
Neuer Standort, neue Großtagespflegestelle

73.7

Alexandra Kluwig (links) uns Isabell Rieck-Mitura
Die „Martfelder Mäuse" haben einen neuen Platz im Ort gefunden: Seit dem 1. September hat die erste und bislang einzige Großtages- pflegestelle ihren Platz im Gemeindehaus eingenommen.
Darüber sind die Tagesmütter Isabell Rieck-Mitura und Alexandra Kluwig sehr glücklich. „Die Kirchengemeinde hat wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt und viel Zeit, Engagement und Ideen in das Projekt eingebracht", freuen sich die Tagesmütter, die ab sofort von dienstags bis freitags Leben ins Haus bringen. Zu diesem Zweck wurden die alten Spielkreis-Räume komplett umgestaltet, neue Decken und Wände eingezogen. „Insgesamt hat uns das schon eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit gekostet", bilanzieren die beiden Frauen. Sie nutzen jetzt zwei große Räume, die Küche und ein weiteres Zimmer als Schlafraum. Gemeinsam betreuen sie dort aktuell fünf Kinder am Morgen und eines am Nachmittag. Platz ist noch für zwei weitere Kinder am Vor- und zwei am Nachmittag. Die Nachmittagsbetreuung richtet sich dabei vornehmlich an Schulkinder, die im Anschluss an die Schule von den Tagesmüttern betreut werden, spielen und Hausaufgaben machen können, bis sie um 14.30 Uhr von ihren Eltern abgeholt werden. „Wir wollen damit eine Alternative zur Betreuungszeit in der Schule anbieten", sagt Alexandra Kluwig und ihre Mitstreiterin Isabell Rieck-Mitura ergänzt: „Alle Kinder bekommen bei uns ein frisches, selbst gekochtes Mittagessen." Die beiden Frauen bieten Eltern und Kindern eine flexible Betreuung an, die auch durchaus nur drei Tage pro Woche umfassen kann. „Mindestens müssen es aber 15 Stunden pro Woche sein", sagt Isabell Rieck-Mitura.
Die Betreuungszeiten sind grundsätzlich von 7.45 bis 12.30 Uhr oder, für die Schlafkinder, von 7.45 bis 14.30 Uhr. „Wir können auch bis zu drei Schulkinder in den Ferienzeiten betreuen", sagen die beiden. Die Idee, sich gemeinsam selbstständig zu machen, ist durch Zufall entstanden. „Da sind wir auf dem Spielplatz miteinander ins Gespräch gekommen", erinnert sich Alexandra Kluwig. Die 32-Jährige ist gelernte Orthopädiemechanikerin und Bandagistin. Ihre Kollegin Isabell Rieck-Mitura (31) war zu diesem Zeitpunkt bereits als einzige Tagesmutter in Martfeld im Einsatz und bot die Betreuung bis dato unter ihrem eigenen Dach an. Dann entstand die Idee zur Zusammenarbeit mit der Kirche - und die klappte problemlos. „Dafür möchten wir uns sehr bei allen Beteiligten bedanken", unterstreichen die beiden Frauen. Als nächstes steht die Gestaltung des Außenbereichs an. Die Sandkiste soll auf Vordermann gebracht werden. jm Frühjahr kommen dann noch Schaukel und Rutsche dazu", berichten die Chefinnen der „Martfelder Mäuse". Das einzige, was ihnen dann noch zu ihrem Betreuungsglück fehlt, ist ein Krippenwagen.

Nach oben


Ein Herz für Blumen und Menschen
Warum Brigitte Warmbrunn auch mit 83 Jahren noch gerne auf dem Wochenmarkt arbeitet

73.6

Dass sie Blumen und Pflanzen gerne mag, merkt jeder, der am Hof von Brigitte Warmbrunn in der Schulstraße vorbeigeht. Überall blüht es, eine Pflanze reiht sich an die nächste.
Seit 26 Jahren wohnt Brigitte Warmbrunn hier. Davor hatte sie mit ihrem Mann ein großes Gartencenter an der Bundesstraße 6 und schätzt seit dieser Zeit vor allem eines: „Das selbstständige Arbeiten ist das, was mir sehr viel Spaß macht." Mittlerweile ist sie 83 Jahre alt - und hat sich noch lange nicht zur Ruhe gesetzt. Im Juni feierte sie ein kleines Jubiläum: Zu diesem Zeitpunkt verkaufte sie seit bereits zehn Jahren für den Landwirt Günter Timm Obst und Gemüse auf dem Scharmbecker Markt in Osterholz-Scharmbeck. Immer freitags ist sie dort vor Ort. Warum sie sich stattdessen nicht einen Job gesucht hat, der um die Ecke ist? Immerhin braucht sie für die Hin- und Rückfahrtjeweils 60 Kilometer. „Das hat sich damals so ergeben. Es macht Spaß - und auch mein Chef ist so ein netter Kerl", begründet die 83-Jährige, warum sie sich immer mit großer Freude an die Arbeit macht. Vor 20 Jahren hat sie auf dem Markt in Achim Fisch verkauft, dann einen Obstbauern aus Eystrup kennengelernt, für den sie ebenfalls zehn Jahre lang Obst feil bot.
Vor zwei Jahren arbeitete sie auch noch auf einem Markt in Wildeshausen. „Ich fahre gerne Auto", sagt sie. Das ist wohl einer der Gründe, warum sie auch weite Anfahrten zu ihrer Arbeit auf sich nimmt. Vor allem aber schätzt Brigitte Warmbrunn den Kundenkontakt. „Solange ich laufen kann, mache ich das", sagt die 83-Jährige, die ihren Kunden in Osterholz-Scharmbeck anlässlich ihres Jubiläums Rosen und Honig schenkte. Ihr Chef lässt ihr bei der Arbeit großen Freiraum. „Ich kann schalten und walten, wie ich möchte", freut sie sich. Denn sie nutzt auch immer wieder ihre guten Kontakte auf dem Großmarkt, um das Angebot am Stand ihres Chefs zu erweitern und noch attraktiver zu gestalten.
Auf ihrem Hof in Martfeld bepflanzt sie Schalen und Balkonkästen. Wer einen schönen Blumenstrauß benötigt, ist auf ihrem Hof in der Schulstraße ebenfalls richtig. „Wer Interesse hat, kann einfach bei mir vorbeischauen", sagt die 83-Jährige. „An den Gedenktagen mache ich auch viele Grabgestecke", erzählt sie. „Denn Pflanzen", sagt sie, „sind für mich ein Lebensinhalt." Mit allem, was dazu gehört: den zufriedenen Kunden, Besuchen auf dem Großmarkt und ihrer Präsenz auf dem Marktstand. Für letzteren aktivierte sie auch einen Kontakt aus alten Zeiten, der jetzt Äpfel aus dem Alten Land liefert. „Und die sind richtig schön frisch."

Nach oben


Pilgern mit Hindernissen
Von Bettwanzen, feiernden Spaniern und dem Wandern in Corona-Zeiten

73.4

v.l. Olaf, Finn, Lukas
Unter dem Motto „18 Füße für ein Halleluja" wollten Olaf Seebode, die Jugendlichen Finn und Lukasz sowie die Esel Sjord und Larry und Hündin Fussel insgesamt 2.500 Kilometer unter die Füße nehmen, um von Martfeld über den Jakobsweg bis nach Spanien zu wandern.
Am 1. März ging es los - doch im Teutoburger Wald brachen sie wenige Wochen später die Tour ab, nachdem der Corona-Lockdown eingetreten war. Als sonderpädagogische Maßnahme konzipierte Olaf Seebode bereits die erste Pilgerreise im Jahr 2018, die 1.000 Kilometer lang war und Lukasz und ihn auf dem nördlichen Jakobsweg, dem Camino Norte, vom Startpunkt in Südfrankreich bis nach Spanien führte. Sie hatte positive Effekte auf seinen Schützling Lukasz gehabt, erinnert sich der Erzieher: Lukasz zog aus dem Heim zu Olaf Seebode nach Martfeld in eine neu geschaffene Erziehungsstelle, besuchte wieder die Schule und absolvierte erfolgreich mehrere Praktika. Zudem erfuhr der Jugendliche von seiner Umwelt nach der ersten Wanderung viel Respekt für seine Leistung. Was die Wanderung damals bewirkt hat und auch jetzt wieder erreichen sollte, bringt Olaf Seebode auf den Punkt. „Lukasz und Finn sollten wieder ein Bewusstsein für elementare Dinge bekommen." Dafür, dass es schön ist, wenn man es warm und trocken hat und etwas zu essen auf den Tisch kommt.
Dass die Wanderung kein Spaziergang werden würde, war schon vorher klar. „Wer da nicht an seine Grenzen kommt, ist das Ding nicht gelaufen", weiß Olaf Seebode nur zu gut. Die Corona-Lage stellte eine besondere Herausforderung dar. Nachdem sie ihre Wanderung zunächst wegen des Lockdowns abgebrochen hatten, nahmen sie einige Wochen später im Teutoburger Wald den Weg wieder auf. Besonders das Laufen durch Deutschland empfanden sie als großartig, sowohl landschaftlich als auch menschlich. Immer wieder seien ihnen Herbergen angeboten worden. „Wir haben viel Gastfreundschaft erlebt", freut sich Olaf Seebode. Bauern hätten mit ihnen gegrillt, in der katholischen Kirchengemeinde in Twistringen hätten sie sogar im Pfarrgarten campen dürfen. Auf dem Rest der Reise indes seien ihnen gerade Katholiken mit Skepsis begegnet. „Dabei ist der Jakobsweg ein katholischer Weg", sagt Olaf Seebode. Ganz anders war es bei den Protestanten: „Die haben uns mitunter sogar einfach den Schlüssel fürs Gemeindehaus gegeben." Besonders der Weg durch Deutschland hatte es Seebode und seinen beiden 16-jährigen Schützlingen angetan. „Die Eifel ist echt der Hammer", waren sie sich zum Beispiel einig. Kniffeliger wurde die Reise dann im Ausland. Sie erkannten nach einer Weile, dass ihnen die Zeit weglief, wenn sie weiterhin mit ihren beiden Eseln liefen. Also ließen sie die beiden abholen und zurück nach Martfeld bringen.
Olaf Seebode, Finn, Lukasz und Hündin Fussel liefen alleine weiter und schulterten ihr Gepäck komplett selbst. Die Etappen von einem Supermarkt zum nächsten wurden immer länger, in Südfrankreich waren es zum Teil 40 bis 50 Kilometer. Außerdem konnte uns im Vorfeld niemand sagen, ob die Herbergen unterwegs offen haben", berichtet Seebode. Sie mussten sich ranhalten, schließlich wollten sie zum Ende der Sommerferien wieder zurück in Martfeld sein. Das Trio samt Fussel entschied sich daher, einzelne Etappen mit dem Zug zu fahren, um im Zeitplan zu bleiben.
„Außerdem mussten wir uns ans Gepäck gewöhnen, besonders bei den Bergetappen in den Pyrenäen. „Da ging es erst von 400 auf 1.600 Meter hoch und dann wieder auf 800 Meter runter", erinnert sich Finn. Auch die ersten Tage in Spanien waren großartig. „Das war toll, wir wurden überall nett empfangen", erinnert sich Olaf Seebode. Dann aber kippte die Stimmung: „Als wir nach Pamplona kamen, war es dort so voll wie auf dem Brokser Markt. Das war uns unheimlich." Obwohl es offiziell hieß, es finde keine Fiesta in Pamplona statt, feierten die Menschen dort in Wirklichkeit zu diesem Zeitpunkt schon eine Woche lang. „Wir dachten uns: Wenn die sich hier so verhalten, gibt es hier sicher bald den nächsten Ausbruch.–, erzählt Seebode. Es habe sich angekündigt, dass sich die Lage weiter zuspitze. „Da waren wir schon anderthalb Tage über Pamplona hinaus." Sie entschieden sich, ihre Wanderung abzubrechen. Genau zum richtigen Zeitpunkt. „Eine Woche später kam die Reisewarnung. Und genau das Gebiet, in dem wir zuletzt waren, wurde dann geschlossen." Über Frankreich reisten die drei samt Hund mit der Bahn zurück nach Deutschland. Auch das war kein einfaches Unterfangen. Auf Krampf weiter zu gehen, wäre grob fahrlässig gewesen", sagt Olaf Seebode. Immerhin sei das gesamte Unternehmen eine Jugendhilfemaßnahme gewesen. „Es war aber interessant, in so einer Situation durch Europa zu laufen", bilanziert der Erzieher.
Alles in allem sind die drei trotz der Corona-Unterbrechung im März und April und trotz des Abbruchs in Spanien insgesamt rund 1.200 Kilometer gelaufen. Eine beachtliche Distanz. Lukasz gefiel die Tour ebenso, und er würde sie jederzeit wieder machen. Und auch Finn, für den es die erste Wanderung dieser Art war, zieht ein positives Fazit: „Das war besser, als ich am Anfang gedacht habe. Dann wollte ich nicht mehr mit dem Laufen aufhören, das war befreiend. Außerdem hat man neue Orte gesehen. Die ganze Reise war gut." Als Finn das erzählt, muss Olaf Seebode lächeln. Denn das Drama um die Bettwanzen, die sie sich alle in einer Unterkunft eingefangen hatten, rückte dabei genauso in den Hintergrund wie ein Sturz ins Wasser, nach dem Finn seine ganze Ausrüstung mehrere Tage lang trocknen musste.

Nach oben